Unsupervised Learning
Quelle: temp_unsupervised/notes_unsupervisedlearning.pdf, 151 Seiten, Prof. Dr.-Ing. Mark Schutera, Stand 2026-05-06.
| Ziel dieser Zusammenfassung |
|---|
| Das Skript wird klausurorientiert verdichtet: Definitionen, Formeln, Variablen, typische Rechenwege, Diagrammdeutung, algorithmische Annahmen, Failure Modes und moegliche Pruefungsfragen. |
Inhaltsueberblick
- Grundidee: Lernen ohne Labels
- Feature Space, Distanz und Skalierung
- Centroid Clustering: K-Means
- Hierarchical Clustering
- Density-Based Clustering: DBSCAN, OPTICS, HDBSCAN
- Dimensionality Reduction: PCA, t-SNE, UMAP, ICA
- Autoencoder, Variational Inference und VAE
- Uncertainty Estimation und OOD
- Transfer Learning und Foundation Models
- Self-Supervised Learning
- Weak Supervision
- Reinforcement Learning Fundamentals
- Lerncheckliste, Klausurfragen, Abdeckung
1. Grundidee: Lernen ohne Labels
Unsupervised Learning beginnt dort, wo kein explizites Label ỹ vorhanden ist. Im Supervised Learning gibt es Datenpunkte x und ein Zielsignal; das Modell θ lernt eine Abbildung auf eine Vorhersage ŷ und nutzt den Fehler zum Optimieren:
- θ
- Modellparameter.
- x
- Eingabe bzw. Datenpunkt.
- ỹ
- beobachtetes Label, oft nur Naeherung an die wahre Zielgroesse.
- ŷ
- Vorhersage des Modells.
- η
- Lernrate im Gradientenupdate.
Ohne Labels gibt es keinen direkten Fehler gegen ein Ziel. Stattdessen werden Muster aus der Datenstruktur selbst gewonnen. Der rote Faden des Skripts lautet:
| Schritt | Frage | Typische Methoden |
|---|---|---|
| Pattern finden | Welche Punkte sind aehnlich? Welche Gruppen gibt es? | Distanzmetriken, K-Means, Hierarchical Clustering, DBSCAN |
| Pattern repraesentieren | Welche Koordinaten tragen die eigentliche Information? | PCA, t-SNE, UMAP, Autoencoder, VAE |
| Pattern nutzen | Wie wird ein gelernter Embedding-Raum wiederverwendet? | Uncertainty, Transfer Learning, Self-Supervised Learning |
| Signal ersetzen | Welche schwachen oder interaktiven Signale koennen Labels ersetzen? | Weak Supervision, Reinforcement Learning |
2. Feature Space, Distanz und Skalierung
2.1 Feature Space und Pattern
Ein Datenpunkt ist ein Vektor im Feature Space. Ein Feature entspricht einer Dimension, z. B. x(1) und x(2) in einem zweidimensionalen Scatterplot. Ohne Labels ist schon die Frage "gehoeren diese Punkte zusammen?" mehrdeutig: Je nach Distanz, Skalierung und Kontext kann man ein, zwei oder mehrere Muster sehen.
2.2 Eigenschaften einer Distanzmetrik
Eine Distanzfunktion d: X × X → ℝ≥0 muss vier Eigenschaften erfuellen:
| Eigenschaft | Formel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Nichtnegativitaet | d(x,y) ≥ 0 | Abstaende sind nie negativ. |
| Identitaet | d(x,y)=0 ⇔ x=y | Nur identische Punkte haben Abstand 0. |
| Symmetrie | d(x,y)=d(y,x) | Richtung spielt keine Rolle. |
| Dreiecksungleichung | d(x,z)≤d(x,y)+d(y,z) | Der direkte Weg ist nicht laenger als ein Umweg. |
2.3 Wichtige Metriken
| Metrik | Formel | Wann sinnvoll? | Pruefungsfalle |
|---|---|---|---|
| Euclidean Distance | dE(x,y)=√∑i=1n(xi-yi)2 | glatter, kontinuierlicher Raum; Dimensionen gleich skaliert und gleich wichtig. | Skalen dominieren: Einkommen kann Alter komplett ueberdecken. |
| Manhattan Distance | d1(x,y)=∑i=1n|xi-yi| | Achsengebundene Bewegung, Pixel-/Grid-Raeume, robustere Summe ueber Dimensionen. | Nicht fuer schraeg-lineare Geometrie verwechseln; sie misst Taxicab-Wege. |
| Cosine Similarity | cos(x,y)=xTy/(||x||2||y||2) | Richtung wichtiger als Betrag, z. B. Text-Embeddings, Profilvektoren. | Ignoriert Intensitaet: kleine und grosse Vektoren gleicher Richtung wirken gleich. |
| Mahalanobis Distance | dMah(x,y)=√((x-y)TΣ-1(x-y)) | Korrelationen und unterschiedliche Varianzen der Features sollen beruecksichtigt werden. | Nie unbedacht Σ-1 explizit invertieren; numerisch stabiler ist das Loesen eines linearen Systems. |
Rechenmuster: A = (3,1), B = (6,8)
Das Beispiel zeigt: Schon dieselben zwei Punkte haben unterschiedliche Abstaende, weil die Metriken verschiedene Annahmen ueber Bewegung und Aehnlichkeit treffen.
2.4 Normalisierung und Standardisierung
Skalierung ist kein kosmetischer Vorverarbeitungsschritt, sondern veraendert die Geometrie, in der Muster gesucht werden. Standardisierung setzt jedes Feature auf Mittelwert 0 und Standardabweichung 1:
- xi
- urspruenglicher Wert eines Features.
- μi
- Mittelwert des Features.
- σi
- Standardabweichung des Features.
- zi
- standardisierter Wert in Einheiten von Standardabweichungen.
| Transformation | Nutzen | Risiko |
|---|---|---|
| Z-Score | Features werden vergleichbar; gut fuer Distanzverfahren. | Ausreisser beeinflussen Mittelwert und Standardabweichung. |
| Min-Max | Werte liegen in festem Bereich, z. B. [0,1]. | Sehr empfindlich gegen Extremwerte. |
| Robuste Skalierung | Nutzt Median/Quantile und reduziert Ausreissereinfluss. | Interpretation veraendert sich; nicht blind anwenden. |
3. Centroid Clustering: K-Means
3.1 Cluster, Partition und Zielfunktion
K-Means erzeugt eine harte Partition: Jeder Datenpunkt gehoert genau zu einem Cluster, kein Cluster ist leer, und Mitgliedschaft ist binaer. Ein Cluster Ck ist eine nichtleere Teilmenge der Datenpunkte.
Die Zielfunktion ist die Inertia bzw. Within-Cluster Sum of Squares (WCSS):
- K
- vorgegebene Anzahl Cluster.
- μk
- Centroid des Clusters Ck, also der Mittelwert seiner Punkte.
- J
- Summe quadrierter Distanzen der Punkte zu ihren Centroids.
3.2 Algorithmus
| Schritt | Operation | Intuition |
|---|---|---|
| Initialisierung | Waehle K Start-Centroids. | Start bestimmt, in welches lokale Optimum man laeuft. |
| Assignment | ci←arg mink||xi-μk||2 | Jeder Punkt geht zum naechsten Centroid. |
| Update | μk←(1/|Ck|)∑xi | Centroid wandert zum Mittelwert seiner Punkte. |
| Stopp | Assignments aendern sich nicht mehr. | Konvergenz, aber nicht zwingend globales Optimum. |
3.3 Initialisierung, K-Auswahl und Bewertung
- a(i)
- mittlere Distanz von xi zu Punkten im eigenen Cluster.
- b(i)
- mittlere Distanz von xi zum naechsten anderen Cluster.
- s(i)
- Silhouette Score in [-1,1]; nahe 1 ist gut, nahe 0 unklar, negativ spricht fuer Fehlzuordnung.
Typische Rechenaufgabe
Gegeben x1=(1,1), x2=(3,1), x3=(8,7), Start-Centroids c1=(0,3), c2=(6,5). Die Assignment-Distanzen sind:
| Punkt | d2(x,c1) | d2(x,c2) | Cluster |
|---|---|---|---|
| x1=(1,1) | 5 | 41 | C1 |
| x2=(3,1) | 13 | 25 | C1 |
| x3=(8,7) | 80 | 8 | C2 |
Update: μ1'=((1,1)+(3,1))/2=(2,1), μ2'=(8,7). Die finale Inertia ist:
3.4 Failure Modes
| Problem | Warum K-Means scheitert | Alternative |
|---|---|---|
| Nicht-konvexe Formen / Ringe | Zuordnung laeuft ueber Distanz zum Mittelwert; ein Ring hat seinen Mittelwert im leeren Zentrum. | DBSCAN, HDBSCAN, ggf. spektrale Methoden. |
| Elongierte Cluster | Euclidean-to-centroid bevorzugt kugelfoermige Gruppen. | Hierarchical single linkage, DBSCAN, PCA vorher pruefen. |
| Unterschiedliche Dichten/Groessen | Dichte und Groesse ziehen Centroids und Grenzen. | HDBSCAN, robuste Skalierung, andere Features. |
| Ausreisser | Der Mittelwert ist ausreisserempfindlich. | K-Medoids, DBSCAN-Rauschlabel, Ausreisseranalyse. |
4. Hierarchical Clustering
4.1 Motivation und Dendrogramm
K-Means zwingt eine einzige Clusteranzahl K auf. Viele Daten haben aber Struktur auf mehreren Ebenen: grobe Gruppen, Untergruppen, noch feinere Muster. Hierarchical Clustering baut deshalb eine ganze Hierarchie von K=n bis K=1.
Ein Dendrogramm ist ein Binaerbaum: Blaetter sind Datenpunkte, innere Knoten sind Merges, und die Hoehe eines Merges ist die Distanz, bei der die Teilbaeume zusammengefuehrt wurden.
Nur die Merge-Hoehe zaehlt. Blattnachbarschaft im gezeichneten Baum ist keine Distanzgarantie.
4.2 Agglomerativer Algorithmus
| Schritt | Beschreibung |
|---|---|
| 1 | Starte mit n Singleton-Clustern Ci={xi}. |
| 2 | Berechne paarweise Distanzmatrix D[i,j]=d(xi,xj). |
| 3 | Merge die zwei naechsten aktiven Cluster. |
| 4 | Aktualisiere Distanzen per Linkage-Kriterium L. |
| 5 | Wiederhole, bis nur ein Cluster bleibt. Ergebnis: n-1 Merges. |
Im Gegensatz zu K-Means gibt es keine zufaellige Initialisierung und keine Iterationskonvergenz. Bei Distanz-Ties kann die Merge-Reihenfolge aber von Tie-Breaking-Regeln abhaengen.
4.3 Linkage-Kriterien
| Linkage | Formel fuer Cluster A,B | Charakter | Failure Mode |
|---|---|---|---|
| Single | mina∈A,b∈Bd(a,b) | Findet langgezogene Formen; entspricht Minimum-Spanning-Tree-Logik. | Chaining: Brueckenpunkte verbinden Gruppen zu frueh. |
| Complete | maxa∈A,b∈Bd(a,b) | Bevorzugt kompakte Cluster. | Kann langgezogene echte Cluster zerschneiden. |
| Average | meana∈A,b∈Bd(a,b) | Kompromiss zwischen Single und Complete. | Immer noch sensitiv gegen globale Dichteunterschiede. |
| Ward | DWard(A,B)=nAnB/(nA+nB) ||μA-μB||2 | Minimiert Varianzzuwachs; K-Means-aehnlich. | Erbt kugelfoermige/kompakte Bias. |
4.4 K-Auswahl und Skalierung
Ein grosser Sprung zwischen zwei Merge-Hoehen ist das Dendrogramm-Analogon zum Elbow. Schneidet man horizontal in diesem Hoehenbereich, erhaelt man die natuerliche Clusteranzahl. Die Hauptkosten sind die Distanzmatrix mit O(n2) Speicher und der Merge-Prozess; bei n=50.000 sind paarweise 64-bit-Distanzen grob 9,3 GB.
5. Density-Based Clustering: DBSCAN, OPTICS, HDBSCAN
5.1 Idee
DBSCAN definiert Cluster nicht ueber Mittelwerte oder Linkage, sondern ueber lokale Dichte. Dadurch koennen nicht-konvexe Formen, Rauschen und Ausreisser behandelt werden, ohne K vorzugeben.
- ε
- Nachbarschaftsradius.
- nmin
- Mindestzahl von Punkten in der Nachbarschaft, inklusive Punkt selbst.
- pc
- Core point: |Nε(p)|≥nmin.
- pb
- Border point: kein Core point, aber in der Nachbarschaft eines Core points.
- pn
- Noise point: weder Core noch Border.
5.2 Reachability und Algorithmus
Density reachability bedeutet: Von einem Core point aus kann ein anderer Punkt ueber eine Kette von Core-Nachbarschaften erreicht werden. Diese Beziehung ist fuer Border points nicht symmetrisch. Density connectivity macht daraus Cluster: Zwei Punkte gehoeren zum selben Cluster, wenn sie von einem gemeinsamen Core point aus erreichbar sind.
| DBSCAN-Ablauf | Kommentar |
|---|---|
| Unvisited Punkt waehlen und Nε berechnen. | Eine Nachbarschaftsabfrage pro Punkt; naiv O(n2). |
| Wenn |N|<nmin, vorlaeufig Noise. | Kann spaeter Border point werden, falls von Core erreicht. |
| Wenn Core point, neues Cluster starten. | Alle erreichbaren Core-/Border-Punkte expandieren. |
| Expansion stoppt, wenn keine neuen Nachbarn dazukommen. | K ergibt sich aus den Dichtekomponenten. |
5.3 Hyperparameter
| Parameter | Daumenregel | Diagnose |
|---|---|---|
| nmin | Meist nmin>d+1; in 2D oft 3 oder 4. | Zu klein erzeugt zufaellige Dichte; zu gross macht alles Noise. |
| ε | k-Distance-Plot mit k=nmin-1; Elbow waehlen. | Kein Elbow bedeutet: keine klare globale Dichteskala. |
Der sortierte k-Distance-Plot zeigt den Uebergang von dichten Regionen zu Rauschen. Der Elbow ist ein sinnvoller Kandidat fuer ε.
5.4 Failure Modes und Erweiterungen
| Problem | Effekt | Abhilfe |
|---|---|---|
| Varying density | Ein globales ε ist fuer dichte Cluster zu gross und fuer sparse Cluster zu klein. | OPTICS/HDBSCAN, Sensitivitaetssweep. |
| Bridging | Ketten von Core points verschmelzen eigentlich getrennte Cluster. | ε senken oder nmin erhoehen; kostet Randpunkte. |
| High dimensionality | Distanzen konzentrieren sich, Nachbarschaften werden leer oder bedeutungslos. | Dimensionsreduktion, Feature Engineering, geeignete Metrik. |
OPTICS ersetzt die feste globale Dichteentscheidung durch einen Reachability-Plot ueber Dichteskalen. HDBSCAN nutzt lokale core distance und mutual reachability distance:
Damit werden Punkte in sparse Regionen kuenstlich weiter auseinandergezogen; stabile Cluster ueber mehrere Dichtestufen werden bevorzugt.
6. Dimensionality Reduction: PCA, t-SNE, UMAP, ICA
6.1 Warum Dimension reduzieren?
Hohe Dimensionen machen Distanzverfahren schlechter: Nachbarabstaende konzentrieren sich, Dichte verschwindet, und Rechenkosten steigen. Gleichzeitig sind viele Features redundant, korreliert oder verrauscht. Ziel ist eine Abbildung f:ℝd→ℝk mit k<d, die die signaltragenden Freiheitsgrade erhaelt.
Bei vielen realen Daten ist die intrinsische Dimension viel kleiner als die ambient dimension. MNIST liegt formal in ℝ784, variiert aber entlang deutlich weniger Formfaktoren.
6.2 Naive Varianzselektion
Man kann die Varianz jedes Originalfeatures berechnen und die Top-k Features behalten:
Das funktioniert nur, wenn die relevanten Richtungen bereits mit den Koordinatenachsen ausgerichtet sind. Wenn die Daten diagonal oder auf einer gekruemmten Mannigfaltigkeit liegen, verliert reine Feature-Auswahl viel Information.
6.3 PCA
Principal Component Analysis konstruiert neue orthogonale Achsen maximaler Varianz. Bei zentrierten Daten X∈ℝn×d ist die Kovarianzmatrix:
PCA loest das Eigenwertproblem:
- wj
- Eigenvektor bzw. Principal Component.
- λj
- Eigenwert; Varianz entlang der Komponente.
- Z
- niedrigdimensionale Projektion.
- X̂
- Rekonstruktion aus der Projektion.
Im Skriptbeispiel erklaert die erste Komponente etwa 95% der Varianz. Die Rekonstruktionsfehler zeigen den Vorteil: Naive Feature-Selektion kommt auf Fehler 58 bzw. 47,33; PCA auf ca. 5,38.
6.4 t-SNE, UMAP und ICA
| Methode | Ziel | Typische Nutzung | Nicht tun |
|---|---|---|---|
| PCA/SVD | Lineare Projektion, globale Varianz, Rekonstruktion. | Preprocessing, Rauschreduktion, Visualisierung, Clustering-Vorstufe. | Nicht erwarten, dass gekruemmte Mannigfaltigkeiten entfaltet werden. |
| t-SNE | Lokale Nachbarschaften in 2D/3D sichtbar machen; Student-t-Kernel reduziert Crowding. | Explorative Visualisierung. | Clusterabstaende, Clusterflaechen und globale Geometrie interpretieren. |
| UMAP | Lokale Struktur mit mehr globaler Anordnung als t-SNE erhalten. | Visualisierung grosser Daten, Nachbarschaftserkundung. | Blind als Downstream-Features verwenden. |
| ICA | Statistisch unabhaengige Quellen finden. | Signaltrennung, wenn lineare Mischungen unabhaengiger Quellen plausibel sind. | Mit PCA gleichsetzen: unkorreliert ist nicht unabhaengig. |
7. Autoencoder, Variational Inference und VAE
7.1 Autoencoder
Ein Autoencoder lernt eine nichtlineare Kompression und Rekonstruktion ohne Labels. Der Encoder bildet x auf eine latente Repraesentation z ab; der Decoder rekonstruiert daraus x̂.
Der Bottleneck zwingt das Modell, nur die rekonstruktionsrelevanten Faktoren zu behalten. Ein linearer Autoencoder mit MSE rekonstruiert im Kern denselben Subraum wie PCA; nichtlineare Autoencoder koennen gekruemmte Strukturen erfassen.
7.2 VAE: probabilistischer Latent Space
Ein plain Autoencoder kann gute Rekonstruktionen liefern, aber sein Latent Space ist oft unorganisiert: Leere Regionen decodieren zu Unsinn, und verschiedene Modelle nutzen unterschiedliche Code-Konventionen. Der VAE ersetzt den Punktcode durch eine Verteilung:
Die Trainingsidee ist der Evidence Lower Bound (ELBO):
Die Rekonstruktion zwingt z, Information ueber x zu behalten. Der KL-Term zwingt den Latent Space in die Naehe eines gemeinsamen Priors, damit Sampling und Interpolation plausibel werden.
7.3 Gaussian-KL und Reparameterisation Trick
Fuer einen diagonal-gaussian Encoder gegen N(0,I) lautet der KL-Term pro Dimension:
Der Reparameterisation Trick trennt Zufall von Parametern: Zufall kommt aus ε, waehrend Gradienten durch μ und σ fliessen koennen.
| Symptom | Diagnose | Gegenmassnahme |
|---|---|---|
| LKL≈0, Rekonstruktionen sind Mittelwert/blurred. | Posterior collapse: Encoder ignoriert x. | β senken oder KL warm-up/annealing. |
| LR niedrig, LKL sehr hoch. | Encoder memorisiert und bypassed Prior. | β erhoehen, Kapazitaet pruefen. |
| Moderate KL, gute Rekonstruktion, glatte Interpolation. | Gesunder Latent Space. | Active units und OOD-Verhalten pruefen. |
8. Uncertainty Estimation und Out-of-Distribution Detection
Ein Modell kann sehr sicher falsch liegen. Softmax-Werte sind normalisierte Scores innerhalb bekannter Klassen; sie sind keine absolute Korrektheitswahrscheinlichkeit. OOD-Inputs und adversariale Perturbationen koennen hohe Softmax-Confidence erzeugen.
| Begriff | Bedeutung | Reduzierbar? |
|---|---|---|
| Aleatoric uncertainty | Irreduzibles Datenrauschen, Mehrdeutigkeit der Welt. | Nein, hoechstens modellieren. |
| Epistemic uncertainty | Modellignoranz: das Modell weiss fuer diesen Bereich zu wenig. | Ja, durch bessere/mehr Daten. |
| Methode | Idee | Grenze |
|---|---|---|
| Calibration / ECE | Vergleiche angegebene Confidence mit empirischer Accuracy in Bins. | Kalibriert meist nur auf der Fit-Verteilung; OOD bleibt offen. |
| Histogram binning | Mappt Confidence-Bins auf beobachtete Accuracy. | Transferiert schlecht auf neue Verteilungen. |
| Confidence head | Extra Kopf sagt voraus, ob Hauptmodell wahrscheinlich korrekt ist. | Braucht saubere Trainingssignale/Outlier Exposure. |
| MC Dropout | Dropout bei Inferenz mehrfach aktivieren; Varianz als epistemisches Signal. | Unsichtbar fuer manche OOD-Inputs, wenn Feature-Geometrie taeuscht. |
| One-class VAE | Reconstruction error und Latent-Geometrie als Familiarity-Score. | Scheitert, wenn unbekannte Inputs geometrisch wie bekannte wirken. |
Operational Design Domain (ODD) bezeichnet den Bereich, fuer den ein System gebaut und trainiert wurde. Data drift verschiebt die Eingabestatistik; model drift entkoppelt Confidence von tatsaechlicher Accuracy.
9. Transfer Learning und Foundation Models
Transfer Learning trennt den teuren Encoder/Backbone von einem billigen Task Head. Der Backbone wird auf breiten Daten vortrainiert und auf neue Aufgaben wiederverwendet.
| Strategie | Wann? | Tradeoff |
|---|---|---|
| Frozen backbone + linear probe | Wenig Labels, Zielverteilung nahe am Pretraining. | Sehr billig; begrenzte Anpassung. |
| Few-shot / nearest centroid | Klassen sind im Embedding schon getrennt. | Cosine similarity auf normalisierten Embeddings oft ausreichend. |
| Fine-tuning | Mehr Labels oder groessere Domainverschiebung. | Bessere Anpassung, aber teurer und Overfitting-Gefahr. |
| LoRA / Adapter | Grosse Modelle effizient anpassen. | Nur kleine Low-Rank-Korrekturen werden trainiert. |
| Zero-shot / CLIP-artig | Keine Zielklassenbeispiele, aber Semantik/Prompts vorhanden. | Bridge zwischen Modalitaeten muss Source/Target gut abdecken. |
Class centroids dienen als Anker im Embedding: Man mittelt Beispiele einer Klasse zu einem Prototypen und klassifiziert neue Punkte ueber naechsten Prototypen. Bei CLIP treffen Bild- und Textencoder in einem gemeinsamen Raum zusammen; die contrastive loss macht passende Bild-Text-Paare aehnlich und unpassende verschieden.
10. Self-Supervised Learning
Self-Supervised Learning gewinnt Labels aus der Datenstruktur selbst. Das Pretext Task ist nur das Geruest; das eigentliche Produkt ist die Repraesentation, die auf Downstream-Tasks transferiert.
| Familie | Signal | Beispiel | Failure Mode |
|---|---|---|---|
| Handcrafted pretext | Rotation, Patch-Reihenfolge, Colorization. | Bildrotation vorhersagen. | Task kann zu einfach sein und Shortcuts lernen. |
| Contrastive learning | Verschiedene Views desselben Inputs nah, andere Inputs fern. | SimCLR-artige Augmentationen. | Falsche Augmentationen machen relevante Features invariant. |
| Masked prediction | Verdeckte Teile rekonstruieren. | BERT maskierte Tokens, MAE maskierte Patches. | Einzelne Masken koennen trivial aus Kontext erraten werden; Span masking ist schwerer. |
| Next-token prediction | Naechstes Token aus Prefix vorhersagen. | Decoder-only Sprachmodelle. | Trainingssignal ist lokal, emergente Faehigkeiten kommen durch Skalierung und Datenbreite. |
| Latent prediction | Student sagt Teacher-Features statt Rohpixel voraus. | JEPA, DINO-aehnliche Teacher-Student-Rezepte. | Stabiler Teacher noetig; sonst kollabiert das Ziel. |
Architektur folgt dem Downstream-Regime: Encoder-only fuer Understanding, Decoder-only fuer Generation, Encoder-Decoder fuer beides mit hoeherem Rechenaufwand.
11. Weak Supervision
Weak Supervision akzeptiert, dass Labels random variables sind: ỹ ist eine verrauschte Messung einer nie direkt beobachteten Wahrheit y. Statt perfekte Labels teuer zu sammeln, kombiniert man schwache Quellen.
| Quelle | Staerke | Risiko |
|---|---|---|
| Heuristische Regeln | Billig, interpretierbar, guter Baseline-Floor. | Geringe Coverage, Autor-Bias. |
| Crowd Labels | Skalierbar und flexibel. | Inter-Annotator-Disagreement. |
| Sensoren/Proxies | Automatisch, nah an realen Signalen. | Korrelation kann bei Distribution Shift brechen. |
| LLM-as-a-Judge / Reward Model | Nutzt verifier-generator gap; Urteilen ist oft leichter als Generieren. | Kalibrierungs- und Stilbias des Judge-Modells. |
| Generator / Teacher | Softmax/Soft labels enthalten mehr Struktur als One-hot. | Teacher-Fehler werden destilliert. |
Snorkel-artige Pipeline: Engineers schreiben Labelling Functions, ein Label Model lernt deren Genauigkeiten und Korrelationen aus Votes/Abstentions, erzeugt Soft Labels, und ein End Model trainiert mit vollem Zugriff auf die Inputs auf diesen probabilistischen Targets.
12. Reinforcement Learning Fundamentals
Reinforcement Learning ersetzt per-example Labels durch einen skalaren Reward, der von Aktionssequenzen abhaengt. Das Kernproblem ist Credit Assignment: Welche fruehere Aktion war fuer spaeteren Reward verantwortlich?
12.1 Markov Decision Process
Ein MDP besteht aus Zustand s, Aktion a, Uebergang P(s'|s,a), Reward r(s,a) und Discount γ∈[0,1). Die Markov-Eigenschaft sagt: Der naechste Zustand haengt nur von aktuellem Zustand und aktueller Aktion ab.
- Gt
- discounted return ab Zeitpunkt t.
- π
- Policy, also Verhaltensregel von Zuständen zu Aktionen.
- V
- State value: erwarteter Return aus Zustand s.
- Q
- Action value: erwarteter Return fuer Aktion a in Zustand s.
12.2 Value-Based vs Policy-Based
| Ansatz | Was wird gelernt? | Stabilisierung | Pruefungsrelevant |
|---|---|---|---|
| Q-Learning | Action values; Policy daraus greedy oder ε-greedy. | Tabular stabil; off-policy. | Bootstrapping gegen naechsten Wert. |
| DQN | Neuronales Netz approximiert Qθ(s,a). | Replay Buffer gegen Korrelation; Target Network gegen bewegliches Ziel. | Ein Update aendert viele State-Action-Werte zugleich. |
| Policy Gradient | Stochastische Policy πθ(a|s) direkt. | On-policy; Daten muessen zur aktuellen Policy passen. | Ermoeglicht kontinuierliche Aktionsraeume. |
| PPO | Policy update mit begrenztem Ratio-Schritt. | Clipping von rt(θ)=πθ(a|s)/πold(a|s), oft etwa [0.8,1.2]. | Stabilitaet vs. Sample Efficiency. |
Exploration ist notwendig, weil der Agent sonst nie Daten ueber unbekannte gute Aktionen sammelt. Praktische Standardhebel sind ε-greedy, stochastische Policies und Entropy Bonuses.
13. Lerncheckliste
| Kann ich ...? | Relevant fuer |
|---|---|
| erklaeren, warum Distanzwahl und Skalierung die Musterdefinition veraendern? | Similarity, K-Means, DBSCAN |
| Euclidean, Manhattan, Cosine und Mahalanobis berechnen und interpretieren? | Rechenaufgaben |
| eine K-Means-Iteration mit Assignment, Update und Inertia durchrechnen? | K-Means |
| Elbow und Silhouette unterscheiden? | K-Auswahl |
| Dendrogramme lesen und Linkage-Kriterien vergleichen? | Hierarchical Clustering |
| Core, Border und Noise points in DBSCAN klassifizieren? | DBSCAN |
| erklaeren, warum DBSCAN bei varying density und high dimensionality scheitert? | Failure Modes |
| PCA aus Zentrierung, Kovarianzmatrix, Eigenvektoren und explained variance herleiten? | Dimensionality Reduction |
| t-SNE/UMAP korrekt als Visualisierung und nicht als Downstream-Feature verstehen? | Visualisierung |
| Autoencoder, VAE, ELBO, KL-Term und Reparameterisation Trick erklaeren? | Variational Inference |
| posterior collapse und KL warm-up diagnostizieren? | VAE Training |
| softmax confidence, calibration, MC Dropout und VAE-OOD vergleichen? | Uncertainty |
| Backbone, Head, linear probe, fine-tuning, LoRA und zero-shot unterscheiden? | Transfer Learning |
| Pretext, contrastive, masked und next-token prediction einordnen? | Self-Supervised Learning |
| Snorkel/Weak Supervision mit labelling functions, label model und soft labels erklaeren? | Weak Supervision |
| MDP, Bellman-Gleichung, Q-Learning, DQN, Policy Gradient und PPO abgrenzen? | Reinforcement Learning |
14. Moegliche Klausurfragen
- Warum ist Unsupervised Learning ohne Labels trotzdem nicht objektiv? Diskutieren Sie Distanzmetriken und Skalierung.
- Berechnen Sie fuer zwei Punkte Euclidean, Manhattan, Cosine und Mahalanobis Distance und interpretieren Sie die Unterschiede.
- Fuehren Sie eine K-Means-Iteration durch und berechnen Sie die Inertia.
- Warum konvergiert K-Means, aber nicht notwendigerweise zum globalen Optimum?
- Vergleichen Sie Elbow Method und Silhouette Score.
- Lesen Sie aus einem Dendrogramm bei gegebenem Cut die Cluster ab und erklaeren Sie die Merge-Hoehen.
- Vergleichen Sie single, complete, average und Ward linkage inklusive Failure Modes.
- Klassifizieren Sie Punkte in DBSCAN als pc, pb oder pn.
- Wie waehlt man ε ueber den k-Distance-Plot? Was bedeutet kein sichtbarer Elbow?
- Warum ist high dimensionality fuer DBSCAN besonders kritisch?
- Leiten Sie PCA ueber die Kovarianzmatrix her und erklaeren Sie explained variance.
- Warum sollte t-SNE nicht als Feature-Transformation fuer einen Klassifikator genutzt werden?
- Erklaeren Sie den Unterschied zwischen Autoencoder und VAE.
- Berechnen Sie den Gaussian-KL-Term fuer gegebene μ und σ.
- Was ist posterior collapse und wie hilft KL annealing?
- Warum ist softmax confidence kein OOD-Sicherheitsnachweis?
- Wann nutzen Sie frozen backbone, linear probe, fine-tuning oder LoRA?
- Was ist der gemeinsame Kern von masked-token prediction, masked-patch prediction und next-token prediction?
- Wie kombiniert ein Snorkel-artiges Label Model mehrere labelling functions?
- Erklaeren Sie Bellman recursion und den Unterschied zwischen Q-Learning, DQN und PPO.
15. Druckhinweis
16. Abdeckungstabelle
| Folie/Kapitel | Inhalt | In Zusammenfassung enthalten? | Wo behandelt? |
|---|---|---|---|
| Seiten 1-12 | Titel, Lizenz, Inhaltsverzeichnis, Einleitung, Lernphilosophie | Ja, soweit fachlich relevant | Header, Abschnitt 1 |
| Seiten 13-26 | Similarity and Distance, Feature Space, Metriken, Skalierung, Uebungen | Ja | Abschnitt 2 |
| Seiten 27-40 | Centroid Clustering, K-Means, Inertia, K-Auswahl, Silhouette, Failure Modes | Ja | Abschnitt 3 |
| Seiten 41-58 | Hierarchical Clustering, Dendrogramm, Linkage, Ward, Chaining, Skalierung | Ja | Abschnitt 4 |
| Seiten 59-74 | Density-Based Clustering, DBSCAN, Parameterwahl, OPTICS, HDBSCAN, Curse of Dimensionality | Ja | Abschnitt 5 |
| Seiten 75-76 | Teiltrenner Representing Pattern | Ja, strukturell | Abschnitt 6 Einleitung |
| Seiten 77-96 | Dimensionality Reduction, PCA, SVD, t-SNE, UMAP, ICA, MNIST-Beispiel | Ja | Abschnitt 6 |
| Seiten 97-120 | Variational Inference, Autoencoder, VAE, ELBO, KL, Reparameterisation, Varianten, Training | Ja | Abschnitt 7 |
| Seiten 121-124 | Uncertainty Estimation, Calibration, MC Dropout, Confidence Head, OOD, Drift | Ja | Abschnitt 8 |
| Seiten 125-126 | Teiltrenner Distilling Pattern | Ja, strukturell | Abschnitt 9 Einleitung |
| Seiten 127-130 | Transfer Learning, Backbone, Probes, zero-/few-shot, CLIP, LoRA | Ja | Abschnitt 9 |
| Seiten 131-136 | Self-Supervised Learning, Pretext, Contrastive, Masked/Next-token Prediction, JEPA/DINO | Ja | Abschnitt 10 |
| Seiten 137-140 | Weak Supervision, Labelling Functions, Judges, Distillation, Snorkel, Soft Labels | Ja | Abschnitt 11 |
| Seiten 141-142 | Teiltrenner Interaction Pattern | Ja, strukturell | Abschnitt 12 Einleitung |
| Seiten 143-148 | Reinforcement Learning Fundamentals, MDP, Bellman, Q-Learning, DQN, PPO, Exploration | Ja | Abschnitt 12 |
| Seiten 149-151 | Index | Ja, inhaltlich ueber Begriffe integriert | Alle Abschnitte, Checkliste |