Gesamtzusammenfassung
Supervised Learning

Klausurorientierter Gesamtlernzettel mit Rechenwegen, Diagrammdeutung und Prüfungsfallen

QuellenÜbungsklausur mit Lösung, 6 Seiten
Übungen86 nummerierte Aufgaben in 7 Kapiteln
StoffKapitel 2, 3, 4, 5, 8, 9 und 10
Klausurprofil: Die Übungsklausur prüft nicht nur Begriffe, sondern vor allem Interpretation und kurze Rechenwege: Modelltyp erkennen, Bias und Varianz begründen, Interaktionen auswerten, logistische Wahrscheinlichkeiten berechnen, SVMs erklären, Datensplits begründen, einen Baum ablaufen, Ensembleparameter deuten und einen Forward Pass durchführen.

Inhaltsüberblick

  1. Grundlagen, Generalisierung und kNN
  2. Lineare Regression
  3. Klassifikation
  4. Support Vector Machines
  5. Resampling und saubere Evaluation
  6. Trees und Ensembles
  7. Neuronale Netze
  8. Klausurtraining und Aufgabentypen
  9. Kompakte Formelsammlung
  10. Prüfungsfallen, Checkliste und Fragen
  11. Quellenabdeckung

1. Grundlagen, Generalisierung und kNN

1.1 Supervised Learning als Lernproblem

Beim Supervised Learning sind für Trainingsbeobachtungen sowohl Features X als auch Labels Y bekannt. Aus den Daten wird eine Funktion gelernt, die für neue Eingaben möglichst gut generalisiert. Das Grundmodell lautet:

Y = f(X) + ε f(x) = E(Y | X = x)
X
Featurevektor mit p Eingabevariablen.
Y
beobachtete Zielvariable bzw. Label.
f
wahre, unbekannte Abbildung; bei Regression ist der bedingte Erwartungswert unter quadratischem Verlust optimal.
aus den Trainingsdaten geschätztes Modell.
ε
nicht reduzierbarer Fehler mit typischerweise E(ε)=0 und Varianz σ2.
ProblemArt von YBeispielTypische Metrik
RegressionquantitativBlutdruck, Umsatz, NiederschlagMSE, RMSE, R2
KlassifikationqualitativSpam/Ham, Angriff/FehlerFehlerrate, F1, Balanced Accuracy
Prüfungsfalle: Ein kategorisches Feature macht die Aufgabe nicht zur Klassifikation. Entscheidend ist die Zielvariable Y. Kategorische Features werden zum Beispiel per Dummy-Codierung in ein Regressionsmodell aufgenommen.

1.2 Vorhersage, Schlussfolgerung und Modellflexibilität

Prediction: Möglichst genaue Vorhersage für neue Beobachtungen; Interpretierbarkeit kann zweitrangig sein.
Inference: Einfluss einzelner Features verstehen; Modellannahmen, Unsicherheit und Konfundierung sind zentral.
Parametrisch: Funktionsform wird vorgegeben, wenige Parameter, datenärmer und leichter interpretierbar.
Nichtparametrisch: Form wird stärker aus Daten gelernt, flexibler, aber datenhungriger und overfitting-anfälliger.

Flexible Modelle sind besonders plausibel bei großem n, kleinem p und stark nichtlinearen Zusammenhängen. Unflexiblere Modelle sind oft robuster bei kleinem n, großem p oder starkem Rauschen.

1.3 Bias-Variance Trade-off

E[(Y - f̂(X))2] = Bias[f̂(X)]2 + Var[f̂(X)] + Var(ε)

Mit steigender Flexibilität sinkt typischerweise der Bias, während die Varianz steigt. Der Trainingsfehler sinkt fast monoton; der Testfehler ist meist U-förmig. Der nicht reduzierbare Fehler bleibt konstant.

Bias, Varianz und Fehler über der Modellflexibilität
Varianz Bias² Testfehler Trainingsfehler nicht reduzierbarer Fehler Modellflexibilität Fehler / Anteil
Links dominiert Underfitting, rechts Overfitting. Das Minimum der Testfehlerkurve ist das Ziel der Modellwahl.
FitBiasVarianzTrainingValidierung/Test
Underfithochniedrigschlechtschlecht
Good Fitvertretbarvertretbargutgut
Overfitniedrighochsehr gutdeutlich schlechter
Übungsklausur Aufgabe 2: Starker Underfit eines linearen Modells bedeutet zu geringe Komplexität, hohen Bias und geringe Varianz. Innerhalb des Modelltyps helfen zusätzliche sinnvolle Features, Polynomterme und Interaktionen. Die Entscheidung muss auf Validierungsdaten geprüft werden.

1.4 k-Nearest Neighbors und Curse of Dimensionality

Für einen neuen Punkt werden die k nächsten Trainingspunkte anhand einer Distanz gesucht. Bei Regression wird zum Beispiel ihr Mittelwert, bei Klassifikation die häufigste Klasse oder deren relative Häufigkeit vorhergesagt.

d(x,x') = √(∑j=1p(xj - x'j)2) f̂(x) = (1/k)∑i ∈ Nk(x) yi
Rechenmuster: Distanzen zu allen Trainingspunkten berechnen, aufsteigend sortieren, die ersten k auswählen und passend aggregieren. Bei Gleichstand muss eine Tie-Break-Regel angegeben werden.

2. Lineare Regression

2.1 Modell, Vorhersage und Residuen

yi = β0 + β1xi1 + … + βpxip + εi i = β̂0 + ∑j=1pβ̂jxij,   ei = yi - ŷi

Least Squares wählt die Koeffizienten so, dass die Summe der quadrierten Residuen minimal wird.

RSS = ∑i=1n(yi - ŷi)2,   MSE = RSS/n TSS = ∑i=1n(yi - ȳ)2,   R2 = 1 - RSS/TSS c⃗ = (XTX)-1XTy⃗   bzw. numerisch stabiler: (XTX)c⃗ = XTy⃗
Prüfungsfalle: R2 kann auf Testdaten negativ werden. Dann ist das Modell schlechter als die konstante Vorhersage des Testmittelwerts. Ein höheres Trainings-R2 allein beweist keine bessere Generalisierung.

2.2 Koeffizienten korrekt interpretieren

In einer multiplen Regression beschreibt βj die erwartete Änderung von Y bei einer Erhöhung von Xj um eine Einheit, während alle anderen Modellfeatures konstant gehalten werden. Dieser Zusatz ist klausurrelevant.

AusgabeBedeutungNicht zulässige Schlussfolgerung
KoeffizientRichtung und Änderung pro Einheit auf der jeweiligen SkalaGroßer Betrag bedeutet nicht automatisch hohe Signifikanz
StandardfehlerUnsicherheit der KoeffizientenschätzungNicht mit Residualfehler verwechseln
p-WertEvidenz gegen H0: βj=0 unter ModellannahmenKein Maß für Effektgröße oder praktische Relevanz
KonfidenzintervallPlausibler Bereich des Parameters im WiederholungsverständnisKein Beweis für Kausalität
95%-KI näherungsweise: [β̂j - 2 SE(β̂j), β̂j + 2 SE(β̂j)]

Enthält das Intervall 0, kann die Nullhypothese auf dem zugehörigen Niveau typischerweise nicht verworfen werden. Ein statistischer Zusammenhang ist keine Ursache. Konfundierung kann sogar das Vorzeichen eines Koeffizienten ändern.

2.3 Dummies, Interaktionen und Nichtlinearität

Ein kategorisches Feature mit K Ausprägungen benötigt bei vorhandenem Intercept K-1 Dummies. Die ausgelassene Kategorie ist die Referenz.

ŷ = β0 + β1x1 + β2x2 + β3x1x2 x2=0: ŷ=β01x1 x2=1: ŷ=(β02)+(β13)x1

Die Interaktion ändert die Wirkung eines Features abhängig vom anderen Feature. Nach dem Hierarchieprinzip bleiben die zugehörigen Haupteffekte im Modell. Quadratische oder höhere Polynomterme machen den Zusammenhang in x nichtlinear, das Modell bleibt aber linear in den Parametern.

Übungsklausur Aufgabe 3: Für ŷ = 50 - 2.5x1 + 8x2 - 1.2x1x2 mit Alter x1 und Raucher-Dummy x2 gilt ∂ŷ/∂x1 = -2.5 - 1.2x2. Nichtraucher: -2.5, Raucher: -3.7 mmHg/Jahr. Gleichsetzen von 50-2.5x1 und 58-3.7x1 ergibt x1 = 8/1.2 ≈ 6.67.

2.4 Modellwahl und Diagnose

3. Klassifikation

3.1 Logistische Regression

Die lineare Regression ist für Klassenwahrscheinlichkeiten ungeeignet, weil sie Werte außerhalb von [0,1] erzeugen kann. Die logistische Regression modelliert lineare Log-Odds und transformiert sie in eine Wahrscheinlichkeit:

a = β0 + β1x1 + … + βpxp p(x) = ea/(1+ea) = 1/(1+e-a) ln(p(x)/(1-p(x))) = a
Übungsklausur Aufgabe 4: a=0.6+0.5X1-0.01X2+10.5X3. Für (100,6000,1) gilt a=1.1, s=e1.1≈3.004 und p=s/(1+s)≈0.750. Der Intercept 0.6 beschreibt die Log-Odds bei allen Features 0; die Basiswahrscheinlichkeit ist 1/(1+e-0.6)≈0.646. Exakt 100 Prozent werden bei endlichen Koeffizienten nie erreicht, nur als Grenzwert.

3.2 LDA, QDA und Naive Bayes

VerfahrenKernannahmeGrenzeTrade-off
LDAklassenweise Normalverteilung, gemeinsame Kovarianzmatrixlinearweniger Parameter, geringere Varianz
QDAklassenweise Normalverteilung, eigene Kovarianzmatrizenquadratischflexibler, mehr Daten nötig
Naive BayesFeatures bedingt auf die Klasse unabhängigje nach Dichtenstarke Annahme, oft robust bei hohem p

Ist die wahre Bayes-Grenze linear, kann QDA den Trainingssatz besser fitten, aber LDA auf Testdaten besser generalisieren. Flexibler ist nicht automatisch besser.

3.3 Bewertung, Schwellenwert und Klassenungleichgewicht

Vorhergesagt positivVorhergesagt negativ
Tatsächlich positivTPFN
Tatsächlich negativFPTN
Precision = TP/(TP+FP),   Recall = TP/(TP+FN) F1 = 2 · Precision · Recall/(Precision+Recall) Balanced Accuracy = (TPR + TNR)/2
Prüfungsfalle: Bei 95 Prozent Mehrheitsklasse hat ein nutzloser Immer-Mehrheit-Klassifikator 95 Prozent Accuracy. Metrik, Schwelle und Fehlerkosten müssen zum Anwendungsfall passen. Oversampling oder Undersampling darf nur innerhalb der Trainingsfolds erfolgen.

4. Support Vector Machines

4.1 Hyperebene, Margin und Supportvektoren

n0 + n⃗Tx⃗ = 0 d(p⃗,H) = |p⃗Tn⃗ + n0| / ||n⃗||

Eine Hyperebene teilt den Raum in zwei Halbräume. Der Hard-Margin Classifier maximiert den kleinsten Abstand zu den Trainingspunkten und setzt perfekte lineare Trennbarkeit voraus. Soft Margin erlaubt Marginverletzungen über Slack-Variablen und ist gegenüber Rauschen und Ausreißern robuster. Nur Punkte auf oder innerhalb der Margin beeinflussen die Lösung direkt: die Supportvektoren.

Soft Margin: wenige Punkte bestimmen die Grenze
Margin Entscheidungsgrenze Supportvektor Supportvektor

4.2 Kernel Trick

Nichtlinear trennbare Daten werden durch eine Transformation in einen höherdimensionalen Feature-Raum dort linear getrennt. Der Kernel berechnet innere Produkte im transformierten Raum, ohne die Transformation explizit aufzubauen.

K(x,x') = exp(-γ∑j=1p(xj-x'j)2) f(x) = n0 + ∑i=1nαiK(x,xi)
Rechenmuster: Für jeden relevanten Supportvektor Kernelwert berechnen, mit αi multiplizieren, aufsummieren, Bias addieren und anschließend Vorzeichen oder Klassenschwelle anwenden.
Übungsklausur Aufgabe 5: SVMs verwenden ebenfalls Hyperebenen, konstruieren sie aber gegebenenfalls in einem durch Kernel erweiterten Feature-Raum. Dadurch entspricht eine lineare Trennung dort einer nichtlinearen Grenze im ursprünglichen Raum.

5. Resampling und saubere Evaluation

5.1 Rollen von Training, Validierung und Test

DatenmengeErlaubte NutzungVerbotene Nutzung
TrainingParameter fitten, Transformationen lernenfinale Generalisierungsangabe
Validierung/CVModelltyp, Hyperparameter, Features und Schwelle auswählennach Auswahl als unabhängiger Test ausgeben
Testeinmalige, abschließende BewertungModellentscheidungen treffen und danach denselben Fehler berichten
Übungsklausur Aufgabe 6: Validierungsdaten erlauben Modellentscheidungen und eine Vorabschätzung der Generalisierung, ohne den Testsatz zu verbrauchen. Entscheidungen auf Trainingsdaten übersehen Overfitting; Entscheidungen auf Testdaten zerstören dessen Unabhängigkeit.

5.2 Hold-out, k-fold CV und LOOCV

  1. Trainingsdaten zufällig oder strukturgerecht in k Folds teilen.
  2. Für jeden Fold auf den übrigen k-1 Folds trainieren.
  3. Auf dem ausgelassenen Fold bewerten.
  4. Fehler mitteln; Streuung der Foldfehler als Stabilitätshinweis berichten.
  5. Nach Modellwahl auf allen Entwicklungsdaten neu fitten und genau einmal testen.
CV(k) = (1/k)∑j=1kErrorj

Größeres k bedeutet größere Trainingsfolds und meist weniger pessimistische Schätzung, aber höheren Rechenaufwand und stärker korrelierte Fits. LOOCV ist der Extremfall k=n. Häufig ist 5- oder 10-fold CV ein guter Kompromiss.

5.3 Bootstrap und Out-of-Bag

Ein Bootstrap-Sample zieht n Beobachtungen mit Zurücklegen. Mehrfach gezogene Punkte erhalten bei Least Squares entsprechend mehrfaches Gewicht. Im Mittel sind nur etwa 63.2 Prozent der ursprünglichen Beobachtungen eindeutig enthalten; etwa 36.8 Prozent bleiben Out-of-Bag und können zur Bewertung des jeweiligen Fits dienen.

P(i nicht gezogen) = (1-1/n)n → e-1 ≈ 0.368

Bootstrap eignet sich besonders zur Schätzung der Streuung von Statistiken und Modellparametern. OOB-Fehler sind eine interne Validierung, aber kein Ersatz für einen unberührten finalen Testsatz, wenn viele Entscheidungen getroffen wurden.

5.4 Leakage verhindern

Prüfungsfalle: Skalierung, Imputation, Feature Selection, PCA, Oversampling und Zielkodierung müssen innerhalb jedes Trainingsfolds gelernt werden. Ein vorab auf allen Daten berechneter Mittelwert überträgt bereits Information aus Validierung oder Test.
Für jeden Fold:
  fit preprocessing nur auf fold_train
  transform fold_train und fold_valid
  fit model auf transformiertem fold_train
  evaluate auf transformiertem fold_valid

Bei Zeitreihen, Gruppen oder wiederholten Messungen ist eine gewöhnliche Zufallsteilung oft falsch. Splits müssen die spätere Einsatzsituation und Abhängigkeiten abbilden.

6. Trees und Ensembles

6.1 Entscheidungsbäume

Bäume zerlegen den Feature-Raum rekursiv durch achsenparallele Regeln wie xj<s. Jede Beobachtung folgt von der Wurzel zu einem Blatt. Regression sagt den Mittelwert im Blatt vorher, Klassifikation typischerweise Mehrheitsklasse oder Klassenhäufigkeiten.

AufgabeSplitkriteriumBlattvorhersage
RegressionMinimierung der RSS in den KindknotenMittelwert der Trainingslabels im Blatt
KlassifikationGini oder Cross-EntropyMehrheitsklasse bzw. Wahrscheinlichkeiten
G = 1 - ∑k=1Kmk2 = ∑k=1Kmk(1-p̂mk) E = 1 - maxk(p̂mk)

Gini und Cross-Entropy reagieren empfindlicher auf veränderte Klassenanteile als die Fehlklassifizierungsrate und sind deshalb für den Baumaufbau meist besser. Greedy Splitting findet nicht garantiert den global optimalen Baum. Tiefe Bäume haben hohe Varianz; Pruning oder Tiefenbegrenzung wird per Validierung gewählt.

Fangfrage aus den Übungen: Nicht jede beliebige Rechteckaufteilung kann durch einen Entscheidungsbaum erzeugt werden. Jeder neue Split teilt genau eine bereits bestehende Region vollständig entlang eines Features.
Baum aus der Übungsklausur korrekt ablaufen
nox ≥ 0.67? tax ≥ 268? nox ≥ 0.514? dis ≥ 1.38? 13.6 37.4 24.5 20.0 35.3 janein janein janein janein
Für nox = 0.6, tax = 300 und dis = 1: rechts, links, links, rechts. Das Blatt liefert 35.3.

6.2 Bagging, Random Forest und Boosting

VerfahrenTrainingHauptwirkungWichtige Parameter/Fallen
BaggingBäume unabhängig auf Bootstrap-SamplesMittelung reduziert VarianzAnzahl Bäume B; OOB-Fehler nutzbar
Random ForestBagging plus zufällige Feature-Untermenge je SplitDekorrelation der Bäume verbessert Mittelungm Kandidaten pro Split; parallelisierbar
BoostingBäume sequentiell auf aktuelle Residuen/Gradientenschrittweise BiasreduktionLernrate λ, Tiefe und Baumzahl gemeinsam tunen
boost(x) = ∑b=1Bλbb(x)
Übungsklausur Aufgaben 8 und 9: Bei starkem Boosting-Overfit wird λ verringert; jeder Baum korrigiert dann vorsichtiger, meist werden dafür mehr Bäume benötigt. Im Random Forest verhindert die zufällige Feature-Auswahl, dass ein dominantes Feature fast identische Bäume erzeugt. Geringere Korrelation macht die Varianzreduktion durch Mittelung wirksamer.

7. Neuronale Netze

7.1 Neuron, Layer und Forward Pass

z = w⃗Tx⃗ + b,   h = g(z) h⃗(ℓ) = g(W(ℓ)h⃗(ℓ-1) + b⃗(ℓ))
x⃗
Eingabe des Neurons.
w⃗
Gewichte der Eingaben.
b
Bias bzw. verschiebbarer Schwellenwert.
z
gewichtete Summe vor Aktivierung.
g
nichtlineare Aktivierungsfunktion.
AktivierungFormelTypischer EinsatzRisiko
ReLUmax(0,z)Hidden Layerinaktive Neuronen bei dauerhaft negativem z
Sigmoid1/(1+e-z)binäre AusgabewahrscheinlichkeitSättigung und kleine Gradienten
Tanhtanh(z)zentrierte Aktivierungebenfalls Sättigung
Softmaxezk/∑jezjMehrklassen-Ausgabenumerisch stabil mit verschobenen Logits berechnen

Ein einzelnes lineares Ausgabeneuron entspricht linearer Regression; ein einzelnes Sigmoid-Neuron entspricht logistischer Regression. Mehrere Layer und nichtlineare Aktivierungen erzeugen flexible Funktionsklassen.

Forward Pass eines kleinen Netzes
x₁ x₂ ReLU ReLU ŷ EingabeHidden LayerAusgabe
Pro Layer zuerst gewichtete Summen plus Bias, dann Aktivierung. Werte immer vollständig durch einen Layer rechnen, bevor der nächste Layer beginnt.

7.2 Training

  1. Forward Pass berechnet Vorhersage .
  2. Loss misst Abweichung, zum Beispiel MSE bei Regression oder Cross-Entropy bei Klassifikation.
  3. Backpropagation wendet die Kettenregel rückwärts im Computation Graph an.
  4. Gradientenverfahren aktualisiert Parameter: θ ← θ - η∇θL.
  5. Validierungsdaten steuern Epochenzahl, Architektur, Regularisierung und Lernrate.

Mehr Breite oder Tiefe erhöht Kapazität, aber auch Rechenaufwand und Overfitting-Risiko. Typische Gegenmaßnahmen sind Early Stopping, Weight Decay, Dropout, Datenaugmentation und mehr Daten. Preprocessing muss in die Validierungsstrategie eingebettet bleiben.

Übungsklausur Aufgabe 10: Eingabe (3,4). Erstes Hidden-Neuron: z1=3(-1)+4(1)+1=2, also ReLU h1=2. Zweites: z2=3(-1)+4(0)-1=-4, also h2=0. Für Ausgabe 0 mit ReLU muss die Voraktivierung nicht positiv sein. Die Musterlösung wählt die Grenzbedingung 2w1*+b*=0; w2* ist beliebig, weil h2=0. Es existieren unendlich viele Lösungen.

7.3 Typische NN-Fragen aus den Übungen

8. Klausurtraining: Vorgehen nach Aufgabentyp

AufgabentypRobuster LösungswegKontrollfrage
Regression oder Klassifikation?Zielvariable identifizieren, quantitativ oder qualitativ entscheiden, Anwendungsbeispiel nennen.Nicht vom Datentyp eines Features ablenken lassen.
Underfit/OverfitTraining und Validierung getrennt betrachten; Bias, Varianz und Komplexität zuordnen.Ist die Aussage ohne unabhängige Daten überhaupt belegbar?
Lineares ModellModell sauber hinschreiben, Dummies einsetzen, Terme sammeln, erst dann interpretieren.Wurden andere Features konstant gehalten?
InteraktionFür jede Kategorie eigene Gerade ableiten; Intercepts und Steigungen vergleichen.Wurde der Interaktionsterm bei Ableitung/Einsetzen berücksichtigt?
Logistische WahrscheinlichkeitLinearen Prädiktor a berechnen, exponentieren, in p=s/(1+s) einsetzen.Liegt p zwischen 0 und 1 und passt die Richtung zum Vorzeichen?
Hyperebene/SVMNormalenvektor, Bias, Vorzeichen der Punkte und gegebenenfalls Punkt-Ebene-Abstand prüfen.Trennt die Ebene wirklich alle geforderten Punkte?
Cross-ValidationRollen der Daten und alle innerhalb des Folds zu lernenden Schritte explizit nennen.Ist irgendwo Information aus Validierung oder Test eingeflossen?
BaumvorhersageJede Ungleichung mit konkretem Wert auswerten und Pfad dokumentieren.Links/rechts nicht aus der Zeichnung raten, sondern die Bedingung lesen.
EnsembleparameterParameter zuerst der Wirkung Bias, Varianz, Korrelation oder Schrittweite zuordnen.Wird Training parallel oder sequentiell ausgeführt?
NN Forward PassLayerweise: Skalarprodukt, Bias, Aktivierung; Zwischenwerte notieren.Wurde ReLU nach und nicht vor der gewichteten Summe angewandt?

8.1 Zehn Aufgaben der Übungsklausur auf einen Blick

Nr.KernErwarteter Schlüsselpunkt
1Regression/Klassifikation, kategoriale FeaturesZielvariable entscheidet; binäre und mehrkategoriale Beispiele
2Underfitzu einfach, hoher Bias, geringe Varianz; Features/Polynome/Interaktionen
3Lineare InteraktionSteigungen -2.5 und -3.7; Schnitt bei 6.67
4Logistische Regressionp=0.750; Intercept als Basis-Log-Odds; 100 Prozent nur Grenzwert
5SVM und HyperebenenKernel erzeugt lineare Trennung im erweiterten Raum
Nr.KernErwarteter Schlüsselpunkt
6ValidierungsdatenModellentscheidungen ohne Verbrauch des Testsatzes
7RegressionsbaumPfad dokumentieren; Vorhersage 35.3
8Boostingbei Overfit Shrinkage λ verkleinern
9Random ForestFeature-Subsampling dekorreliert Bäume
10Neuronales NetzHidden-Ausgaben 2 und 0; unendlich viele Outputparameter

9. Kompakte Formelsammlung

ThemaFormelVariablen / Anwendung
Euklidische Distanz||x⃗-x⃗'||=√∑j=1p(xj-x'j)2p Features; vorher skalieren
MSE(1/n)∑i=1n(yi-ŷi)2n ausgewertete Beobachtungen
RSSi=1n(yi-ŷi)2unskalierte Summe quadrierter Residuen
TSSi=1n(yi-ȳ)2Gesamtstreuung um den Mittelwert
R2(TSS-RSS)/TSSerklärter Anteil; auf Testdaten auch negativ möglich
Least Squaresc⃗=(XTX)-1XTy⃗in Praxis lineares System lösen, nicht explizit invertieren
95%-KIβ̂ ± 2SE(β̂)Näherung unter üblichen Annahmen
Logistische Funktionp=ea/(1+ea)a=β0+∑βjxj
Log-Oddsln(p/(1-p))=alinearer Prädiktor auf Logit-Skala
Hyperebenen0+n⃗Tx⃗=0n⃗ Normalenvektor
Punkt-Ebene-Abstand|p⃗Tn⃗+n0|/||n⃗||geometrischer Margin-Baustein
RBF-Kernelexp(-γ∑j=1p(xj-x'j)2)γ steuert Lokalität
SVM-Vorhersagen0+∑i=1nαiK(x,xi)nur αi≠0 relevant
Gini1-∑k=1Kmk2Unreinheit im Baumknoten m
Boostingf̂(x)←f̂(x)+λb(x)λ Shrinkage/Lernrate
Neuronh=g(w⃗Tx⃗+b)gewichtete Summe, Bias, Aktivierung
Gradientenupdateθ←θ-η∇θLη Lernrate, L Loss

10. Prüfungsfallen, Lerncheckliste und Fragen

10.1 Häufige Prüfungsfallen

Training statt Test: Ein kleiner Trainingsfehler ist kein Nachweis guter Generalisierung.
Korrelation als Ursache: Ein signifikanter Koeffizient zeigt unter Annahmen einen Zusammenhang, keine Kausalität.
Interaktion ignoriert: Haupteffekte sind bei Interaktionen nur bedingt auf den Referenzwert interpretierbar.
100 Prozent Logit: Sigmoid erreicht bei endlichen Eingaben nie exakt 0 oder 1.
Accuracy bei Imbalance: Immer die Klassenverteilung und Kosten falscher Entscheidungen prüfen.
Leakage: Jede datenabhängige Vorverarbeitung gehört in den Fold.
Baumpfad geraten: Ungleichung mit Wert einsetzen; grafisches links/rechts ist keine Semantik.
ReLU vergessen: Jeder Layer benötigt gewichtete Summe plus Bias und danach Aktivierung.

10.2 Kompakte Lerncheckliste

10.3 Mögliche Klausurfragen

  1. Warum kann ein flexibleres Modell trotz niedrigerem Trainingsfehler einen höheren Testfehler haben?
  2. Wie ändert sich die kNN-Grenze mit k, und warum verschärft großes p das Problem?
  3. Interpretieren Sie einen Interaktionsterm zwischen numerischem Feature und Dummyvariable.
  4. Warum ist ein kleiner p-Wert weder ein großer Effekt noch ein Kausalitätsbeweis?
  5. Leiten Sie die logistische Entscheidungsgrenze für zwei Features her.
  6. Wann ist QDA gegenüber LDA plausibel, und welcher Bias-Variance-Trade-off entsteht?
  7. Erklären Sie den Kernel Trick und berechnen Sie eine SVM-Vorhersage aus Kernelwerten.
  8. Skizzieren Sie eine vollständig leakage-freie k-fold Cross-Validation.
  9. Warum reduziert Random Forest gegenüber Bagging häufig zusätzlich die Varianz?
  10. Führen Sie einen Forward Pass durch und bestimmen Sie Outputparameter unter einer Zielbedingung.

11. Abdeckung der Quellen

11.1 Übungen und Formelsammlung

Folie/KapitelInhaltEnthalten?Wo behandelt?
Übungen FormelsammlungDistanz, Regression, Logit, Hyperebene, Kernel, Gini, AktivierungenJaAbschnitt 9 und jeweils fachlich in 1 bis 7
Kapitel 2, Aufgaben 1-17Flexibilität, n/p, Bias-Varianz, kNN, Fehler, Fit-DiagnoseJaAbschnitt 1, 5 und 10
Kapitel 3, Aufgaben 1-17p-Werte, Interaktionen, KI, R2, Kausalität, Dummies, RSS, Least SquaresJaAbschnitt 2 und 9
Kapitel 4, Aufgaben 1-12Logit, LDA/QDA, Dimension, Imbalance, HyperebenenJaAbschnitt 3 sowie 1.4

Weitere Übungskapitel

Folie/KapitelInhaltEnthalten?Wo behandelt?
Kapitel 9, Aufgaben 1-8Kernel, Margin, Supportvektoren, Mehrklassen, SVM-RechnungJaAbschnitt 4 und 9
Kapitel 5, Aufgaben 1-8k-fold CV, LOOCV, Bootstrap, OOB, FehlerschätzungJaAbschnitt 5
Kapitel 8, Aufgaben 1-14Baumregionen, Splitmaße, Bagging, RF, BoostingJaAbschnitt 6
Kapitel 10, Aufgaben 1-10Neuron, Aktivierung, Forward Pass, Training, Frameworks, GrenzenJaAbschnitt 7

11.2 Übungsklausur

Folie/KapitelInhaltEnthalten?Wo behandelt?
Übungsklausur Aufgabe 1Regression/Klassifikation und kategorische FeaturesJa1.1 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 2Underfit, Bias, Varianz, ModellkomplexitätJa1.3 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 3Lineare Regression mit InteraktionJa2.3 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 4Logistische Wahrscheinlichkeit und InterceptJa3.1 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 5SVM und HyperebeneJa4.2 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 6Zweck des ValidierungssatzesJa5.1 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 7Regressionsbaum ablaufenJa6.1 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 8Boosting-ShrinkageJa6.2 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 9Feature-Subsampling im Random ForestJa6.2 und 8.1
Übungsklausur Aufgabe 10NN Forward Pass und OutputparameterJa7.2 und 8.1