Formelsammlung: Statistik 2

Klausurorientierte Formeln, Hypothesenpaare, p-Wert-Logik, Python-Umsetzung und Beispiele

Quellen: Foliensatz.pdf, bestehende Klausurzusammenfassung Statistik 2, Notebooks/Rmds aus temp_statistik2 und Übungsklausur-Lösung.pdf als Referenz für Aufgabentypen.

1. Prüfungslogik

Immer zuerst entscheiden: Datenart → Zielgröße → Annahmen → Hypothesenpaar → Test/Modell → p-Wert/Konfidenzintervall → Interpretation Die Probeklausur prüft genau diese Reihenfolge: Verteilungen modellieren, Erwartungswert/Varianz berechnen, Test auswählen, p-Werte korrekt übersetzen und Regressionsoutputs fachlich interpretieren.

Inhaltsverzeichnis

  1. Notation und Grundformeln
  2. Wichtige Verteilungen
  3. Normalverteilung und zentraler Grenzwertsatz
  4. Hypothesenpaare und p-Wert-Entscheidung
  5. Testauswahl und Testformeln
  6. Lineare Regression und OLS
  7. Regressionsprobleme und Regularisierung
  8. Maximum Likelihood
  9. Python-Code-Muster
  10. Klausurbeispiele
  11. Checkliste und Prüfungsfallen
  12. Abdeckung

2. Notation und Grundformeln

2.1 Zufallsvariablen, Wahrscheinlichkeits- und Verteilungsfunktion

Begriff Formel Merksatz
Zufallsvariable X: Ω → E, E ⊆ ℝ Ordnet jedem Ereignis eine reelle Zahl zu.
Diskrete Wahrscheinlichkeitsfunktion f(x)=P(X=x) Wahrscheinlichkeit für genau einen Wert.
Diskrete Verteilungsfunktion F(x)=P(X≤x)=∑t≤x f(t) Treppenfunktion; monoton wachsend; Grenzwerte 0 und 1.
Kontinuierliche Dichte P(a≤X≤b)=∫ab f(x) dx Die Dichte selbst ist keine Wahrscheinlichkeit; Flächen sind Wahrscheinlichkeiten.
Kontinuierliche Verteilungsfunktion F(x)=P(X≤x)=∫-∞x f(t) dt Die Ableitung von F(x) ist die Dichte f(x).
Prüfungsfalle: Bei kontinuierlichen Verteilungen gilt P(X=x)=0. Gesucht sind immer Intervalle, Quantile oder Flächen.

2.2 Erwartungswert, Varianz und Momente

Erwartungswert E(X)=∑ixipi E(X)=∫-∞ x f(x) dx

pi ist die Wahrscheinlichkeit des diskreten Werts xi.

Varianz und Standardabweichung Var(X)=E((X-μ)2)=E(X2)-μ2 σ=√Var(X)

μ=E(X); die Varianz misst Streuung in quadrierten Einheiten.

Linearität E(aX+bY+c)=aE(X)+bE(Y)+c Var(aX+c)=a2Var(X)
Unabhängige Summen E(∑i=1nXi)=nμ Var(∑i=1nXi)=nσ2 Var(X̄)=σ2/n
Moment Formel Interpretation
Allgemeines Moment mr=E(Xr) Rohmoment um 0.
Zentrales Moment μr=E((X-μ)r) Moment um den Erwartungswert.
Schiefe γ133 γ1>0 rechtsschief, γ1<0 linksschief.
Exzess γ244-3 Vergleicht die Wölbung mit der Normalverteilung.

3. Wichtige Verteilungen

Verteilung Wann verwenden? Funktion Erwartungswert / Varianz Python
Diskrete Gleichverteilung Endlich viele gleich wahrscheinliche Werte, z. B. fairer Würfel. P(X=x)=1/n Für Werte a,...,b: E(X)=(a+b)/2, Var(X)=(n2-1)/12 stats.randint(a, b+1)
Stetige Gleichverteilung Zufallswert gleichmäßig in Intervall [a,b]. f(x)=1/(b-a), F(x)=(x-a)/(b-a) E(X)=(a+b)/2, Var(X)=(b-a)2/12 stats.uniform(loc=a, scale=b-a)
Bernoulli Ein Versuch, Erfolg/Misserfolg. P(X=1)=p, P(X=0)=1-p E(X)=p, Var(X)=p(1-p) stats.bernoulli(p)
Binomial Anzahl Erfolge in n unabhängigen Bernoulli-Versuchen. P(X=k)=(n über k)pk(1-p)n-k E(X)=np, Var(X)=np(1-p) stats.binom.pmf(k,n,p), stats.binom.cdf(k,n,p)
Poisson Anzahl seltener Ereignisse in Zeit/Raum bei konstanter Rate. P(X=k)=eλk/k! E(X)=λ, Var(X)=λ stats.poisson.pmf(k, mu=lam)
Exponential Wartezeit bis zum nächsten Ereignis in einem Poisson-Prozess. f(x)=λe-λx, F(x)=1-e-λx E(X)=1/λ, Var(X)=1/λ2 stats.expon(scale=1/lam)
Normal Messwerte, Mittelwerte und Approximationen nach dem ZGS. f(x)=1/√(2πσ2) · e-0.5((x-μ)/σ)2 E(X)=μ, Var(X)=σ2 stats.norm(loc=mu, scale=sigma)
Prüfungsfalle: Die Binomialverteilung konvergiert bei n→∞, p→0 und np=λ gegen die Poissonverteilung. Nicht umgekehrt. Für großes λ kann Poisson näherungsweise normalverteilt sein.

4. Normalverteilung und zentraler Grenzwertsatz

Standardisierung Z=(X-μ)/σ

Nach der Standardisierung gilt Z∼N(0,1). Tabellen und stats.norm.cdf arbeiten mit dieser Form.

Zentraler Grenzwertsatz i=1nXi ≈ N(nμ,nσ2) X̄ ≈ N(μ,σ2/n)

Gilt für unabhängige, identisch verteilte Variablen mit endlicher Varianz; bei schiefen Verteilungen braucht man größere n.

Bereich Wahrscheinlichkeit bei Normalverteilung Nutzen
μ±1σca. 68 %Grobe Plausibilitätsprüfung.
μ±2σca. 95 %Typische 5 %-Schwelle zweiseitig.
μ±3σca. 99,7 %Sehr extreme Beobachtungen.

5. Hypothesenpaare und p-Wert-Entscheidung

5.1 Generische Hypothesenpaare

Fragestellung Nullhypothese H0 Alternativhypothese H1 p-Wert-Fläche Typischer Test
Ist ein Mittelwert anders? μ=μ0 μ≠μ0 Zweiseitig: beide Ränder. z-Test, Einstichproben-t-Test
Ist ein Mittelwert kleiner? μ≥μ0 oder μ=μ0 μ<μ0 Linksseitig: P(T≤tobs). z-Test, t-Test
Ist ein Mittelwert größer? μ≤μ0 oder μ=μ0 μ>μ0 Rechtsseitig: P(T≥tobs). z-Test, t-Test
Unterscheiden sich zwei Mittelwerte? μ12=0 μ12≠0 Meist zweiseitig. Zweistichproben-t-Test, gepaarter t-Test
Unterscheiden sich mehrere Gruppen? μ12=...=μk Mindestens ein Gruppenmittelwert unterscheidet sich. Rechter Rand der F-Verteilung. ANOVA, danach Post-Hoc
Ist ein Merkmal normalverteilt? Merkmal folgt der Normalverteilung. Merkmal weicht von der Normalverteilung ab. Abweichung von der Referenzverteilung. Shapiro-Wilk, Kolmogorov-Smirnov, Anderson-Darling
Sind zwei kategoriale Merkmale unabhängig? Merkmal A und Merkmal B sind unabhängig. Merkmal A und Merkmal B sind abhängig. Rechter Rand der χ2-Verteilung. Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest
Passt eine Häufigkeitsverteilung zu Sollwerten? Beobachtete Verteilung entspricht der erwarteten Verteilung. Beobachtete Verteilung weicht ab. Rechter Rand der χ2-Verteilung. Chi-Quadrat-Anpassungstest
Hat ein Regressionskoeffizient Effekt? βj=0 βj≠0 Meist zweiseitig über t-Verteilung. OLS-Koeffiziententest

5.2 Welche Hypothese bei welchem p-Wert?

p-Wert bei vorher festgelegtem α=5 % Entscheidung Korrekte Formulierung
p<0,01 H0 verwerfen; sehr starke Evidenz für H1. „Der Effekt ist auf 1 %-Niveau signifikant.“
0,01≤p<0,05 H0 verwerfen; H1 wird statistisch gestützt. „Der Effekt ist auf 5 %-Niveau signifikant.“
0,05≤p<0,10 Bei 5 % H0 nicht verwerfen; bei vorherigem 10 %-Niveau wäre es schwache Evidenz. „Auf 5 %-Niveau nicht signifikant.“
p≥0,10 H0 nicht verwerfen bzw. beibehalten. „Kein ausreichender statistischer Hinweis gegen H0.“
Wichtig: Ein großer p-Wert beweist H0 nicht. Er sagt nur, dass die Stichprobe nicht stark genug gegen H0 spricht. Das Signifikanzniveau muss vor dem Blick auf den p-Wert feststehen.

5.3 p-Wert-Interpretationen als Satzbausteine

Test Satzbaustein
Mittelwerttest „Unter Gültigkeit von H0 beobachten wir mit Wahrscheinlichkeit p einen mindestens so starken Unterschied vom Sollwert wie in der Stichprobe.“
Zweistichproben-t-Test „Unter Gültigkeit gleicher Erwartungswerte beobachten wir mit Wahrscheinlichkeit p einen mindestens so starken Unterschied zwischen den Stichprobenmittelwerten.“
ANOVA „Unter Gültigkeit gleicher Gruppenmittelwerte beobachten wir mit Wahrscheinlichkeit p eine mindestens so große Varianz zwischen Gruppen relativ zur Varianz innerhalb der Gruppen.“
Normalitätstest „Unter Gültigkeit der Normalverteilungsannahme beobachten wir mit Wahrscheinlichkeit p eine mindestens so starke Abweichung von der Normalverteilung.“
Chi-Quadrat-Unabhängigkeit „Unter Gültigkeit der Unabhängigkeit beobachten wir mit Wahrscheinlichkeit p eine mindestens so starke Abweichung zwischen beobachteten und erwarteten Zellhäufigkeiten.“
OLS-Koeffizient „Wenn der wahre Koeffizient βj gleich 0 wäre, beobachten wir mit Wahrscheinlichkeit p einen mindestens so extremen t-Wert.“

6. Testauswahl und Testformeln

Folie 98: Entscheidungsbaum für statistische Tests
Folie 98: Testauswahl beginnt bei der abhängigen Variable, dem Untersuchungsziel, der Stichprobenzahl, Skalierung, Gruppenstruktur und Verteilungsannahme.

6.1 z-Test

Bekannte oder theoretisch hergeleitete Varianz z=(x̄-μ0)/(σ/√n) z=(S-nμ0)/√(nσ2)

Nutze den z-Test, wenn die Streuung aus der Theorie bekannt ist oder der ZGS auf eine Summe/Mittelwert angewandt wird, wie beim Würfel-, Roulette- oder Plinko-Beispiel.

Alternative p-Wert
H1: μ<μ0p=Φ(zobs)
H1: μ>μ0p=1-Φ(zobs)
H1: μ≠μ0p=2·min(Φ(zobs),1-Φ(zobs))

6.2 t-Tests und Konfidenzintervalle

Test Hypothese Teststatistik Freiheitsgrade / Hinweis
Einstichproben-t-Test H0: μ=μ0 t=(x̄-μ0)/(s/√n) df=n-1
Welch-Zweistichproben-t-Test H0: μ12=0 t=(x̄1-x̄2)/√(s12/n1+s22/n2) Robustere Standardwahl bei ungleichen Varianzen.
Gepaarter t-Test H0: μd=0 t=d̄/(sd/√n) Auf Differenzen derselben Personen/Einheiten rechnen.
Konfidenzintervall Schätzer ± t1-α/2,df · Standardfehler

Bei zweiseitigem 5 %-Test gilt: Enthält das 95 %-Konfidenzintervall den Nullwert nicht, ist der Test auf 5 %-Niveau signifikant.

6.3 ANOVA und Post-Hoc

Einfaktorielle ANOVA H0: μ12=...=μk F=MSbetween/MSwithin=(SSbetween/(k-1))/(SSwithin/(N-k))

Ein signifikanter F-Test sagt nur, dass mindestens eine Gruppe abweicht. Welche Paarung abweicht, klären Post-Hoc-Tests wie Tukey HSD oder Bonferroni-korrigierte Paarvergleiche.

6.4 Normalität und nichtparametrische Alternativen

Situation Parametrisch Nichtparametrische Alternative
Eine Stichprobe gegen SollwertEinstichproben-t-TestWilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test
Zwei unabhängige GruppenWelch-t-TestMann-Whitney-U / Wilcoxon-Rangsummen-Test
Zwei verbundene MessungenGepaarter t-TestVerbundener Wilcoxon-Test
Mehrere unabhängige GruppenANOVAKruskal-Wallis-Test
Normalitätstests: H0 lautet „normalverteilt“. Ein kleiner p-Wert spricht gegen Normalität. Ein großer p-Wert beweist Normalität nicht, besonders bei kleinen Stichproben.

6.5 Chi-Quadrat-Testfamilie

Unabhängigkeitstest Eij=(Zeilensummei·Spaltensummej)/n χ2=∑i,j(Oij-Eij)2/Eij df=(r-1)(c-1)
Anpassungstest Ei=n pi χ2=∑i(Oi-Ei)2/Ei df=k-1-m

m ist die Anzahl aus Daten geschätzter Parameter.

Effektstärke bei Kontingenztafeln V = √(χ2/(n·min(r-1,c-1)))

Cramérs V misst die Stärke des Zusammenhangs, nicht nur dessen Signifikanz.

7. Lineare Regression und OLS

7.1 Modell und Schätzung

Lineares Modell yi01xi1+...+βpxipi

εi ist der Störterm: alle nicht erklärten Einflüsse.

OLS-Zielfunktion min ∑i=1n(yi-ŷi)2 β̂=(XTX)-1XTy
Residuen und Streuung ei=yi-ŷi σ̂2=∑ei2/(n-p-1)
Koeffiziententest tj=β̂j/SE(β̂j) H0: βj=0

7.2 Gütemaße und Interpretation

Kennzahl Formel Interpretation
R2 R2=1-SSres/SStot Anteil der Stichprobenvarianz von y, den das Modell erklärt.
Korrigiertes R2 1-(1-R2)(n-1)/(n-p-1) Bestraft zusätzliche Prädiktoren; besser für Modellvergleich.
Koeffizient β̂j Änderung in y pro Einheit xj, wenn alle anderen Variablen konstant bleiben.
p-Wert aus t-Test Kleiner p-Wert spricht gegen βj=0, aber nicht automatisch für Kausalität.
Interpretationsfalle: Ein signifikanter Koeffizient ist ein bedingter Zusammenhang im Modell. Kausalität braucht zusätzlich eine belastbare Identifikationslogik, keine bloß kleine p-Wert-Zahl.

8. Regressionsprobleme und Regularisierung

Problem Formel / Diagnose Folge Behandlung
Multikollinearität VIFj=1/(1-Rj2) Hohe Standardfehler, instabile oder widersinnige Koeffizienten. Variablen reduzieren, aggregieren, fachlich auswählen, Ridge/Lasso prüfen.
Endogenität Cov(xj,ε)≠0 OLS-Schätzer sind verzerrt und inkonsistent. Kontrollvariablen, Panelansätze, Experimente, Instrumentvariablen.
Omitted Variables Relevante Variable fehlt und korreliert mit erklärender Variable. Der Effekt wird falschen Variablen zugeschrieben. Fachlich sinnvolle Kontrollen ergänzen.
Overfitting Sehr gute Trainingsanpassung, schlechte Generalisierung. Modell lernt Zufallsmuster. Train/Test-Trennung, Cross-Validation, Regularisierung.
Folie 209: Ridge- und Lasso-Regularisierung
Folie 209: Ridge nutzt eine L2-Strafe, Lasso eine L1-Strafe. Lasso kann Koeffizienten exakt auf 0 setzen und dadurch Variablen auswählen.
Ridge min ∑(yi-ŷi)2 + λ∑j=1pβj2

Shrinkt Koeffizienten, setzt sie aber typischerweise nicht exakt auf 0.

Lasso min ∑(yi-ŷi)2 + λ∑j=1pj|

Kann Variablen aussortieren; reduziert Varianz, bringt aber Bias in die Schätzung.

Instrumentvariablen: zwei notwendige Bedingungen Cov(z,x)≠0   und   Cov(z,ε)=0

z muss die endogene Variable erklären, darf den Fehlerterm aber nicht direkt beeinflussen.

9. Maximum Likelihood

Likelihood L(θ)=∏i=1n f(xi|θ)

Wählt Parameter θ, unter denen die beobachteten Daten möglichst wahrscheinlich sind.

Log-Likelihood ℓ(θ)=log L(θ)=∑i=1n log f(xi|θ)

Produkte werden zu Summen; numerisch stabiler und einfacher zu optimieren.

MLE θ̂ML=argmaxθ ℓ(θ)

Analytisch über Ableitungen, praktisch oft über numerische Optimierung.

Informationskriterien AIC=2k-2ℓmax BIC=k log(n)-2ℓmax

Kleiner ist besser; k ist die Anzahl geschätzter Parameter.

Folie 221: Log-Likelihood der Normalverteilung
Folie 221: Die Log-Likelihood zerlegt das Produkt der Normaldichten in Summen und Konstanten; daraus entstehen die ML-Schätzer.
Verteilung ML-Schätzer Hinweis
Poisson λ̂=x̄ Durchschnittliche Ereigniszahl pro Einheit.
Normal μ̂=x̄, σ̂2ML=1/n ∑(xi-x̄)2 ML-Varianz teilt durch n, unverzerrte Stichprobenvarianz durch n-1.

10. Python-Code-Muster

10.1 Grundsetup und p-Wert-Entscheidung

import math
import numpy as np
import pandas as pd
import scipy.stats as stats

def p_decision(p_value: float, alpha: float = 0.05) -> str:
    if p_value < alpha:
        return f"H0 verwerfen; Ergebnis signifikant auf alpha={alpha:.2%}."
    return f"H0 nicht verwerfen; kein ausreichender Hinweis gegen H0 auf alpha={alpha:.2%}."

10.2 Verteilungen

# Binomial: mindestens 2 falsche Kaffees bei n=30 und p=0.04
p_at_least_2 = 1 - stats.binom.cdf(k=1, n=30, p=0.04)

# Poisson: maximal 1 Anruf pro Stunde bei lambda=3.4
p_max_1 = stats.poisson.cdf(k=1, mu=3.4)

# Exponential: erwartete Wartezeit zwischen Anrufen
expected_wait_hours = stats.expon.mean(scale=1 / 3.4)

# Normalverteilung: P(X <= 600) für X ~ N(800, 2000)
p_left = stats.norm.cdf(600, loc=800, scale=math.sqrt(2000))

10.3 z-Test und t-Tests

def z_test_mean(xbar: float, mu0: float, sigma: float, n: int, alternative: str = "two-sided"):
    z = (xbar - mu0) / (sigma / math.sqrt(n))
    if alternative == "less":
        p = stats.norm.cdf(z)
    elif alternative == "greater":
        p = 1 - stats.norm.cdf(z)
    else:
        p = 2 * min(stats.norm.cdf(z), 1 - stats.norm.cdf(z))
    return z, p

# Einstichprobe
t_stat, p_value = stats.ttest_1samp(sample, popmean=4.0)

# Zwei unabhängige Stichproben, Welch als robuste Standardwahl
t_stat, p_value = stats.ttest_ind(group_a, group_b, equal_var=False)

# Verbundene Stichprobe
t_stat, p_value = stats.ttest_rel(before, after)

10.4 ANOVA und Post-Hoc

import statsmodels.api as sm
import statsmodels.formula.api as smf
from statsmodels.stats.multicomp import pairwise_tukeyhsd

model = smf.ols("value ~ C(group)", data=df).fit()
anova_table = sm.stats.anova_lm(model, typ=2)

posthoc = pairwise_tukeyhsd(endog=df["value"], groups=df["group"], alpha=0.05)
print(anova_table)
print(posthoc)

10.5 Normalität, Chi-Quadrat und Korrelation

# Normalität
shapiro_stat, shapiro_p = stats.shapiro(x)
mu, sigma = stats.norm.fit(x)
ks_stat, ks_p = stats.kstest(x, stats.norm.cdf, args=(mu, sigma))

# Chi-Quadrat-Unabhängigkeit
table = pd.crosstab(df["gender"], df["course"])
chi2_stat, p_value, dof, expected = stats.chi2_contingency(table)

# Chi-Quadrat-Anpassungstest
observed = np.array([20, 30, 50])
expected = np.array([25, 25, 50])
chi2_stat, p_value = stats.chisquare(f_obs=observed, f_exp=expected)

# Korrelation
r, p_value = stats.pearsonr(x, y)     # metrisch, ungefähr normal
rho, p_value = stats.spearmanr(x, y) # ordinal/nichtlinear monoton

10.6 OLS, VIF, Ridge/Lasso und ML

import statsmodels.formula.api as smf
from statsmodels.stats.outliers_influence import variance_inflation_factor
from sklearn.linear_model import RidgeCV, LassoCV
from sklearn.model_selection import train_test_split
from scipy.optimize import minimize

# OLS mit kategorialen Variablen
model = smf.ols("salary ~ statistics + C(state) + C(industry) + math_1 + math_2", data=df).fit()
print(model.summary())

# VIF: X enthält nur erklärende Variablen inklusive Konstante
X = model.model.exog
vif = pd.Series(
    [variance_inflation_factor(X, i) for i in range(X.shape[1])],
    index=model.model.exog_names,
)

# Regularisierung
X_train, X_test, y_train, y_test = train_test_split(features, target, random_state=42)
ridge = RidgeCV(alphas=np.logspace(-3, 3, 50)).fit(X_train, y_train)
lasso = LassoCV(alphas=np.logspace(-3, 1, 50), cv=5, random_state=42).fit(X_train, y_train)

# Maximum Likelihood: Poisson-Parameter schätzen
def neg_log_likelihood(params, x):
    lam = params[0]
    if lam <= 0:
        return np.inf
    return -np.sum(stats.poisson.logpmf(x, mu=lam))

result = minimize(neg_log_likelihood, x0=[np.mean(x)], args=(x,), bounds=[(1e-9, None)])
lam_hat = result.x[0]
log_likelihood = -result.fun

11. Klausurbeispiele aus der Probeklausur

11.1 Plinko: Erwartungswert, Varianz und einseitiger z-Test

Auszahlungsverteilung P(X=5)=3/8, P(X=10)=3/8, P(X=15)=1/8, P(X=20)=1/8 E(X)=5·3/8+10·3/8+15·1/8+20·1/8=10 Var(X)=25
80 Spiele, beobachtete Gesamtauszahlung 600 € S=∑i=180Xi ≈ N(80·10,80·25)=N(800,2000) H0: E(S)=800;   H1: E(S)<800 z=(600-800)/√2000=-4,472

Der linksseitige p-Wert ist extrem klein und liegt deutlich unter 5 %. Daher H0 verwerfen: Die beobachtete Auszahlung spricht gegen die angegebene Auszahlungstabelle.

11.2 Kaffeemaschine: Binomial, Poisson, Exponential

Falscher Kaffee p=17/425=0,04 X∼Bin(n,p),   P(X=k)=(n über k)0,04k0,96n-k P(X≥2)=1-P(X=0)-P(X=1)
Kaffee-Hotline λ=17/5=3,4 P(X≤1)=e-3,43,40/0! + e-3,43,41/1! = 0,1468 E(Wartezeit)=1/λ=0,294 Stunden

11.3 Tests aus dem Social-Media-Beispiel

Situation Test Hypothesenpaar Interpretation
Insta vs. TikTok-Nutzungszeit Zweiseitiger Zweistichproben-t-Test H0: gleiche durchschnittliche Nutzungszeit; H1: unterschiedliche durchschnittliche Nutzungszeit. Bei p=0,1847 H0 nicht verwerfen.
Gender und Studiengang Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest H0: unabhängig; H1: abhängig. Bei p=0,0353 auf 5 %-Niveau H0 verwerfen.
Lebenszufriedenheit normalverteilt? Kolmogorov-Smirnov-Test H0: normalverteilt; H1: nicht normalverteilt. Sehr kleiner p-Wert: Normalitätsannahme verwerfen.
Drei Plattformen vergleichen ANOVA H0: alle Mittelwerte gleich; H1: mindestens ein Mittelwert unterscheidet sich. Nach signifikanter ANOVA Post-Hoc-Tests für konkrete Paarungen.

11.4 Regressionsoutput interpretieren

Output Korrekte Interpretation
β̂statistics=10, p=0,024 Ein zusätzlicher Punkt in Statistik ist im Modell mit 10 € mehr Gehalt assoziiert. Der Zusammenhang ist auf 5 %-Niveau signifikant.
β̂state_abroad=5000, p=0,504 Arbeiten im Ausland ist im Modell mit 5000 € mehr Gehalt assoziiert, aber der Zusammenhang ist nicht signifikant.
Korrigiertes R2=0,315 Das Modell erklärt in der Stichprobe 31,5 % der Gehaltsvarianz; 68,5 % bleiben durch andere Einflüsse bzw. Fehlerterm erklärt.
Viele Prüfungsleistungen als Prädiktoren Multikollinearität: hohe Korrelation zwischen Prüfungsleistungen erhöht Schätzfehler und kann widersinnige Vorzeichen erzeugen.
Lasso-Vorschlag Lasso kann weniger relevante Variablen auf 0 setzen und Multikollinearität entschärfen, führt aber absichtlich Bias ein.

12. Checkliste und Prüfungsfallen

Vor dem Rechnen
  • Ist y numerisch, ordinal oder kategorial?
  • Eine, zwei oder mehrere Stichproben?
  • Verbunden/gepaart oder unabhängig?
  • Verteilung bekannt, angenommen oder zu testen?
Beim Testen
  • Richtung von H1 vor p-Wert-Berechnung festlegen.
  • Bei Normalitätstests ist ein kleiner p-Wert schlecht für die Normalitätsannahme.
  • ANOVA beantwortet nicht, welche Gruppe abweicht.
  • Chi-Quadrat-Tests brauchen Häufigkeiten, keine Mittelwerte.
Beim Interpretieren
  • p-Wert ist bedingt auf H0, nicht die Wahrscheinlichkeit von H0.
  • Nicht signifikant heißt nicht „kein Effekt“.
  • Signifikant heißt nicht automatisch „wichtig“ oder „kausal“.
  • Regression immer mit Modellannahmen lesen.

Typische Wahr/Falsch-Fallen

Aussage Bewertung Warum?
Verteilungsfunktionen sind monoton wachsend. Richtig F(x)=P(X≤x) kann mit größerem x nicht fallen.
Das Integral über eine Verteilungsfunktion muss 1 ergeben. Falsch Das gilt für Dichten, nicht für Verteilungsfunktionen.
Der t-Test ist parametrisch. Richtig Er testet Parameter wie Mittelwerte unter Verteilungsannahmen.
Endogenität verursacht keinen Bias, nur mehr Varianz. Falsch Endogenität verletzt Cov(x,\epsilon)=0 und verzerrt OLS.
Poisson konvergiert für λ→∞ gegen Binomial. Falsch Binomial konvergiert unter seltenen Ereignissen gegen Poisson; große Poisson-Raten werden eher normal approximiert.

13. Abdeckung

Folie/Kapitel Inhalt In Zusammenfassung enthalten? Wo behandelt?
Foliensatz 4-21Zufallsvariablen, diskrete und kontinuierliche Verteilungen, Verteilungs-/DichtefunktionJaKapitel 2
Foliensatz 22-44Erwartungswert, Varianz, Standardabweichung, Momente, Schiefe, ExzessJaKapitel 2.2
Foliensatz 45-69Gleichverteilung, Binomial, Poisson, Exponential, NormalverteilungJaKapitel 3
Foliensatz 70-76Zentraler Grenzwertsatz, Summe und MittelwertJaKapitel 4
Foliensatz 77-98z-Test, Hypothesen, TestauswahlJaKapitel 5-6
Foliensatz 99-129t-Test, Konfidenzintervalle, ANOVA und Post-HocJaKapitel 6.2-6.3
Foliensatz 130-142Normalitätstests, Q-Q-Plot, parametrische und nichtparametrische TestsJaKapitel 6.4
Foliensatz 143-154Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest, Anpassungstest, FehlerartenJaKapitel 6.5, 12
Foliensatz 155-182Lineare Regression, OLS, Outputinterpretation, R2JaKapitel 7
Foliensatz 183-215Multikollinearität, Endogenität, Overfitting, Ridge, Lasso, Cross-ValidationJaKapitel 8
Foliensatz 216-225Maximum-Likelihood-Schätzung, Log-Likelihood, AIC/BICJaKapitel 9
Notebooks/RmdsPython/R-Umsetzung für Verteilungen, z-Test, t-Test, ANOVA, Chi-Quadrat, OLS, Regularisierung, MLJaKapitel 10
Übungsklausur Aufgabe 1Plinko, Erwartungswert, Varianz, ZGS, einseitiger z-TestJaKapitel 11.1
Übungsklausur Aufgabe 2Binomialmodell, Poissonmodell, ExponentialwartezeitJaKapitel 11.2
Übungsklausur Aufgabe 3t-Test, Chi-Quadrat, Kolmogorov-Smirnov, ANOVA, p-Wert-InterpretationenJaKapitel 5, 6, 11.3
Übungsklausur Aufgabe 4OLS-Output, p-Werte, korrigiertes R2, Multikollinearität, LassoJaKapitel 7-8, 11.4
Übungsklausur Aufgabe 5Wahr/Falsch-FallenJaKapitel 12