Klausurzusammenfassung: IT-Security
Verdichtung aus 13 PDFs zu Cyber-Security, GRC, Incident Response, Kryptografie und TOR
1. Überblick und Prüfungslogik
IT-Security verbindet Management, Organisation und Kryptotechnik. Gute Klausurantworten benennen nicht nur ein Verfahren, sondern erklären die Kette aus Schutzgut, Sicherheitsziel, Bedrohung, Maßnahme und Restrisiko.
- Cyber-Raum, IT-Sicherheit und Schutzziele
- Schwachstellen, Angriffsflächen und Malware
- GRC, Compliance und Risikomanagement
- Incident Response und Frameworks
- Kryptologie und klassische Chiffren
- Stromchiffren, DES, AES und Betriebsmodi
- DHKE, RSA und Hashing
- TOR und Onion Routing
- Aufgaben, Checkliste und Fragen
- Abdeckung der Quellen
2. Cyber-Raum, IT-Sicherheit und Schutzziele
2.1 Warum IT-Sicherheit nötig ist
Digitalisierung macht Informationen zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor. Unternehmenswissen, personenbezogene Daten, Zahlungsinformationen, Produktionsprozesse und private Geräte liegen elektronisch vor und sind über Netzwerke erreichbar. Damit reichen klassische Schutzmaßnahmen wie physischer Zutrittsschutz allein nicht mehr.
2.2 Informationssicherheit, IT-Sicherheit, Cyber-Sicherheit
| Begriff | Schwerpunkt | Klausurabgrenzung |
|---|---|---|
| Informationssicherheit | Schutz von Informationen unabhängig vom Medium. | Umfasst auch Papier, Gespräche und organisatorische Prozesse. |
| IT-Sicherheit | Schutz von IT-Systemen, Anwendungen, Daten, Netzwerken und Diensten. | Technische und organisatorische Absicherung digitaler Systeme. |
| Cyber-Sicherheit | Sicherheit im vernetzten Cyber-Raum. | Erweitert IT-Sicherheit um Internetbezug, globale Akteure und Abhängigkeiten. |
2.3 Haupt- und Nebenziele
| Ziel | Bedeutung | Typische Maßnahme | Prüfungsfalle |
|---|---|---|---|
| Vertraulichkeit | Nur Berechtigte dürfen Informationen lesen. | Verschlüsselung, Zugriffskontrolle, Need-to-know. | Verschlüsselung verhindert keinen Datenabfluss über berechtigte Konten. |
| Integrität | Daten bleiben vollständig und unverändert. | Hashwerte, MACs, Signaturen, Änderungsprotokolle. | CRC erkennt Zufallsfehler, schützt aber nicht gegen gezielte Manipulation. |
| Verfügbarkeit | Dienste und Daten stehen im benötigten Zeitraum bereit. | Redundanz, Backups, Monitoring, Notfallpläne. | Backups ohne Restore-Test sind nur eine Annahme. |
| Authentizität | Identität oder Herkunft ist echt. | MFA, Zertifikate, digitale Signaturen. | Authentifikation beantwortet „Wer bist du?“, nicht „Was darfst du?“. |
| Autorisation | Festlegung erlaubter Aktionen. | Rollen, Rechte, Least Privilege. | Zu breite Rollen sind ein Eskalationspfad. |
| Nichtabstreitbarkeit | Handlungen oder Nachrichten können später nachgewiesen werden. | Digitale Signaturen, manipulationssichere Logs. | Normale Logs ohne Integritätsschutz sind kein starker Nachweis. |
3. Schwachstellen, Angriffsflächen und Malware
3.1 Drei Grundbegriffe
| Begriff | Definition | Beispiel |
|---|---|---|
| Sicherheitslücke | Ausnutzbare Schwachstelle in Software, Hardware, Konfiguration oder Prozess. | Ungepatchte Bibliothek, unsichere Standardpasswörter. |
| Angriffsfläche | Gesamtheit der erreichbaren Ansatzpunkte eines Systems. | Webformular, API, Betriebssystem, Netzwerkdienst. |
| Angriffsvektor | Kombination aus Angriffsweg und Angriffstechnik. | Phishing-Mail mit Malware-Anhang; SQL Injection über Webformular. |
3.2 Softwarequalitäten und Malware
Die Folien unterscheiden gute, gutartige, schlechte und bösartige Software. Die prüfungsrelevante Pointe: Malware kann technisch „gute“ Software sein, weil sie zuverlässig, spezialisiert und effektiv arbeitet. Sicherheit bewertet Ziel, Wirkung und Kontrollierbarkeit, nicht nur Codequalität.
3.3 Angriffstypen und Täter
| Typ | Charakter | Betroffenes Ziel | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Passiv | Mitlesen oder Beobachten ohne Veränderung. | Vertraulichkeit. | Sniffing, Traffic-Analyse. |
| Aktiv | Manipulation, Sabotage, Einschleusen oder Identitätsmissbrauch. | Integrität, Verfügbarkeit, Authentizität. | Man-in-the-Middle, Ransomware, DDoS. |
| Nicht-zielgerichtet | Generische Methode gegen viele Opfer. | Breite Angriffsfläche. | Massenphishing, automatisierte Scans. |
| Zielgerichtet | Auf ein konkretes Opfer zugeschnitten, oft mehrstufig. | Kritische Systeme und Identitäten. | APT, Spear Phishing. |
Außentäter profitieren von globaler Vernetzung und automatisierten Werkzeugen. Innentäter sind besonders kritisch, weil sie interne Abläufe kennen; dazu zählen auch Dienstleister, Partner und Lieferanten mit internem Wissen.
4. GRC, Compliance und Risikomanagement
4.1 GRC als Rahmenwerk
GRC steht für Governance, Risk und Compliance. Es ist ein integriertes Managementsystem zur koordinierten Steuerung von Informationssicherheit, Risiken und regulatorischen Anforderungen. Ziel ist Steuerbarkeit, Anpassungsfähigkeit und Nachweisbarkeit.
| Komponente | Rolle | Klausurpunkt |
|---|---|---|
| Governance | Strategische Steuerung, Rollen, Leitplanken und Eskalationswege. | Governance ist Chefsache, entscheidet aber nicht jede Einzelmaßnahme zentral. |
| Risk Management | Risiken identifizieren, bewerten, steuern, überwachen und berichten. | Nicht erkannte Risiken können nicht behandelt werden. |
| Compliance | Einhaltung interner, gesetzlicher, regulatorischer und branchenspezifischer Vorgaben. | Compliance schafft Nachweisbarkeit, garantiert aber keine Wirksamkeit. |
4.2 IT-Compliance und Grenzen
Compliance by Design heißt: neue Prozesse und digitale Lösungen werden von Beginn an regelkonform gestaltet, statt Compliance nachträglich „darüberzustülpen“.
4.3 Risikomanagementprozess
- Risikoidentifikation: Assets, Bedrohungen, Schwachstellen und Abhängigkeiten erfassen.
- Risikobewertung: Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß bewerten.
- Risikobehandlung: Risiko vermeiden, reduzieren, übertragen oder akzeptieren.
- Risikoüberwachung: Umsetzung und Wirksamkeit der Maßnahmen prüfen.
- Risikoreporting: Risiken transparent machen und Führung informieren.
| Methode | Zweck | Stärke | Grenze/Falle |
|---|---|---|---|
| SWOT | Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen verknüpfen. | Einfacher Einstieg in strategische Risikoanalyse. | Zu grob für technische Priorisierung. |
| ALARP | Risiken nach Wahrscheinlichkeit und Schaden einordnen. | Grün akzeptabel, gelb abwägen, rot nicht tragbar. | Subjektive Skalen können Scheingenauigkeit erzeugen. |
| FTA | Fehlerbaumanalyse vom Top Event zu Ursachen. | Gut für Ursachenanalyse systemweiter Fehlfunktionen. | Abhängig von vollständigen Annahmen. |
| PDCA | Plan, Do, Check, Act: Prozesse verbessern. | Kontinuierliche Verbesserung im ISMS. | Ohne Messpunkte bleibt „Check“ Bauchgefühl. |
| SDCA | Standardize, Do, Check, Act: erreichten Standard stabilisieren. | Sichert neue Prozesse nach PDCA. | Stabilisierung darf Verbesserung nicht blockieren. |
| Schaden / Wahrscheinlichkeit | Niedrig | Mittel | Hoch |
|---|---|---|---|
| Hoch | Abwägen | Nicht tragbar | Nicht tragbar |
| Mittel | Akzeptabel/Abwägen | Abwägen | Nicht tragbar |
| Niedrig | Akzeptabel | Akzeptabel/Abwägen | Abwägen |
5. Incident Response und Frameworks
Die zentrale Frage lautet nicht nur, wie ein Angriff verhindert wird, sondern was passiert, wenn Präventionsmechanismen versagen. Incident Response ist ein strategischer Prozess aus Vorbereitung, Erkennung, Eindämmung, Beseitigung, Wiederherstellung und Lernen.
| Phase | Ziel | Typische Aktivitäten |
|---|---|---|
| Preparation | Organisation vorbereiten. | IR-Plan, Teamrollen, Kontaktlisten, Kommunikationswege, Logs, Backups, Übungen. |
| Identification | Vorfall erkennen und klassifizieren. | SIEM, EDR, IDS/IPS, Loganalyse, Alarmbewertung, Fehlalarmprüfung. |
| Containment | Ausbreitung stoppen und Schaden begrenzen. | Systeme isolieren, Konten sperren, Netzwerksegmente trennen. |
| Eradication | Ursache entfernen. | Malware, Backdoors und kompromittierte Dateien entfernen; Zugangsdaten zurücksetzen; Lücken schließen. |
| Recovery | Sicheren Normalbetrieb herstellen. | Backups einspielen, Integrität prüfen, Monitoring intensivieren, Stakeholder informieren. |
| Lessons Learned | Aus dem Vorfall lernen. | Post-Incident-Review, Schwächen analysieren, Playbooks verbessern. |
Incident Response vs. IT-Forensik
| Aspekt | Incident Response | IT-Forensik |
|---|---|---|
| Ziel | Schaden begrenzen, Betrieb sichern, Ursache entfernen. | Beweise sichern, Ereignisse rekonstruieren, gerichtsfeste Analyse ermöglichen. |
| Tempo | Schnell und priorisiert. | Sorgfältig, beweisorientiert und dokumentiert. |
| Praxis | Nutzt forensische Triage. | Liefert Erkenntnisse für Ursache und Nachweis. |
6. Kryptologie und klassische Chiffren
Klassische Chiffren arbeiten häufig in Z26. Damit eine Verschlüsselung entschlüsselbar ist, muss die Abbildung invertierbar sein. Bei Multiplikation modulo m existiert ein Inverses nur bei Teilerfremdheit.
- k
- Multiplikativer Schlüsselteil.
- m
- Modul, bei Alphabetchiffren häufig 26.
| Chiffre | Formel | Schlüsselraum/Falle |
|---|---|---|
| Verschiebechiffre | ek(x) = y ≡ x + k mod 26 dk(y) = x ≡ y - k mod 26 |
Nur 26 Verschiebungen; leicht per Brute Force brechbar. |
| Multiplikative Chiffre | ek(x) = y ≡ x · k mod 26 dk(y) = x ≡ y · k-1 mod 26 |
Nur Schlüssel mit ggT(k, 26) = 1 funktionieren; bei 26 Zeichen sind das 12 Schlüssel. |
| Affine Chiffre | e(a,b)(x) = y ≡ a · x + b mod 26 d(a,b)(y) = x ≡ a-1 · (y - b) mod 26 |
a muss invertierbar sein; Schlüsselraum 12 · 26 = 312. |
| Vigenère | yi ≡ xi + ki mod 26 | Polyalphabetisch; verschleiert Häufigkeiten besser, ist bei kurzen/repetitiven Schlüsseln aber angreifbar. |
6.1 Wie man klassische Chiffren konkret liest
Bei den klassischen Alphabet-Chiffren wird zuerst jeder Buchstabe als Zahl verstanden, typischerweise A = 0, B = 1, ..., Z = 25. Die Verschlüsselung ist dann eine Rechenvorschrift in Z26. Nach dem Rechnen modulo 26 wird die Zahl wieder in einen Buchstaben zurückübersetzt.
| Schritt | Was passiert? | Beispiel |
|---|---|---|
| 1. Codieren | Buchstaben werden Zahlen. | H → 7, A → 0, L → 11, O → 14. |
| 2. Rechnen | Die Chiffrenformel wird modulo 26 angewandt. | Bei Caesar mit k = 3 wird aus H: 7 + 3 = 10. |
| 3. Zurückübersetzen | Das Ergebnis wird wieder ein Buchstabe. | 10 → K, also H → K. |
6.2 Verschiebechiffre genauer
Die Verschiebechiffre, auch Caesar-Chiffre, addiert auf jeden Buchstaben denselben Schlüssel k. Entschlüsselt wird durch Subtraktion desselben Schlüssels. Sie ist leicht zu verstehen, aber kryptografisch schwach, weil es nur 26 mögliche Verschiebungen gibt.
6.3 Multiplikative Chiffre genauer
Die multiplikative Chiffre multipliziert jeden Buchstabenwert mit k modulo 26. Damit man eindeutig entschlüsseln kann, muss k ein multiplikatives Inverses besitzen. Das gilt nur, wenn k teilerfremd zu 26 ist.
6.4 Affine Chiffre genauer
Die affine Chiffre kombiniert Multiplikation und Verschiebung. Der Schlüssel besteht aus zwei Teilen: a für die Multiplikation und b für die Verschiebung. Nur a muss invertierbar sein; b darf jeder Wert von 0 bis 25 sein.
6.5 Vigenère genauer
Vigenère verwendet nicht eine feste Verschiebung, sondern eine Folge von Verschiebungen aus einem Schlüsselwort. Jeder Buchstabe des Schlüsselworts wird wie ein Caesar-Schlüssel interpretiert. Ist das Schlüsselwort zu Ende, beginnt es wieder von vorn.
| Position | Klartext | Schlüssel | Rechnung | Geheimtext |
|---|---|---|---|---|
| 1 | A = 0 | L = 11 | 0 + 11 mod 26 | L |
| 2 | T = 19 | E = 4 | 19 + 4 = 23 | X |
| 3 | T = 19 | M = 12 | 31 mod 26 = 5 | F |
Dadurch kann derselbe Klartextbuchstabe je nach Position unterschiedlich verschlüsselt werden. Das schwächt einfache Häufigkeitsanalyse, beseitigt sie aber nicht vollständig, wenn das Schlüsselwort kurz ist oder sich oft wiederholt.
7. Stromchiffren, DES, AES und Betriebsmodi
7.1 Stromchiffren
Bei Stromchiffren werden Klartext, Chiffrat und Schlüsselstrom bitweise verarbeitet. Ver- und Entschlüsselung sind dieselbe Operation, weil Addition modulo 2 der XOR-Operation entspricht und XOR selbstinvers ist.
xi ≡ yi + si mod 2
- xi
- Klartextbit.
- si
- Schlüsselstrombit.
- yi
- Chiffratbit.
7.1.1 Warum Schlüsselstrom-Wiederverwendung gefährlich ist
Eine Stromchiffre ist nur dann sicher, wenn derselbe Schlüsselstrom nicht zweimal für unterschiedliche Nachrichten benutzt wird. Wird er wiederverwendet, kann ein Angreifer die beiden Chiffrate miteinander XORen. Der Schlüsselstrom fällt dabei heraus.
y2 = x2 ⊕ s
y1 ⊕ y2 = x1 ⊕ x2 Kennt der Angreifer einen Klartext oder kann er ihn erraten, kann er den anderen ableiten. Deshalb sind Nonces, IVs und Zähler bei Stromchiffren und streamartigen Modi kritisch.
7.2 DES
DES ist eine Blockchiffre mit Feistel-Struktur. Konfusion verschleiert den Zusammenhang zwischen Schlüssel, Klartext und Chiffrat; Diffusion verteilt den Einfluss einzelner Klartextbits über viele Chiffratbits.
| DES-Baustein | Funktion | Prüfungspunkt |
|---|---|---|
| E-Box | Expansion der rechten Hälfte auf Rundenschlüssellänge. | Ermöglicht XOR mit Rundenschlüssel. |
| S-Boxen | Nichtlineare Substitution. | Zentrales Sicherheitselement; erzeugt Konfusion. |
| P-Box | Permutation nach den S-Boxen. | Verteilt Bit-Einflüsse; erzeugt Diffusion. |
| Schlüsselfahrplan | Ableitung von 16 Rundenschlüsseln. | Rundenschlüssel sind 48-Bit-Auswahlen aus dem 56-Bit-Hauptschlüssel. |
7.3 AES
AES ist keine Feistel-Chiffre. AES verarbeitet in jeder Runde den gesamten 128-Bit-Block als 4x4-Byte-Zustandsmatrix und unterstützt 128-, 192- und 256-Bit-Schlüssel.
| AES-Schritt | Rolle | Merke |
|---|---|---|
| AddRoundKey | XOR des Rundenschlüssels mit dem Zustand. | Bindet Schlüsselmaterial ein; Key Whitening. |
| SubBytes | Nichtlineare Byte-Substitution. | Alle S-Boxen sind identisch; Grundlage ist Inversion in GF(2m) plus affine Abbildung. |
| ShiftRows | Zeilenweise Verschiebung. | Verteilt Bytes über Spalten. |
| MixColumns | Spaltenmischung. | Erzeugt starke Diffusion zusammen mit ShiftRows. |
| Key Schedule | Ableitung aller Rundenschlüssel. | Anzahl Rundenschlüssel = Rundenzahl + 1. |
7.3.1 Blockchiffre vs. Betriebsmodus
DES und AES sind Blockchiffren. Sie beschreiben, wie ein einzelner Block fester Länge unter einem Schlüssel transformiert wird. Damit ist noch nicht geklärt, wie eine lange Datei, ein Stream oder eine Nachricht mit wiederholten Blöcken sicher verschlüsselt wird. Genau dafür braucht man Betriebsmodi wie CBC, CTR oder GCM.
| Ebene | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Blockchiffre | Wie wird ein einzelner Block mit einem Schlüssel verschlüsselt? | AES, DES. |
| Betriebsmodus | Wie werden viele Blöcke, IVs, Zähler, Padding und Wiederholungen behandelt? | ECB, CBC, OFB, CFB, CTR, GCM. |
| Protokoll/Anwendung | Wie werden Schlüssel ausgehandelt, Nachrichten authentifiziert und Fehler behandelt? | TLS, VPN, Dateiverschlüsselung. |
7.4 Betriebsmodi
Eine Blockchiffre verschlüsselt nur einzelne Blöcke. Betriebsmodi legen fest, wie längere Nachrichten, Wiederholungen, IVs, Zähler und Fehlerausbreitung behandelt werden.
| Modus | Prinzip/Formel | Vorteil | Falle |
|---|---|---|---|
| ECB | yi = ek(xi) | Einfach, parallelisierbar. | Deterministisch: Muster bleiben sichtbar. |
| CBC | y0 = IV yi = ek(xi ⊕ yi-1) xi = dk(yi) ⊕ yi-1 | Randomisiert bei neuem zufälligem IV. | IV muss je Nachricht neu/korrekt sein; Padding; keine Integrität. |
| OFB | si = ek(si-1), Start mit IV yi = xi ⊕ si | Blockchiffre als Schlüsselstromgenerator; kein Padding. | Schlüsselstrom darf nicht wiederverwendet werden; Synchronisation. |
| CFB | si = ek(yi-1), Start mit IV yi = xi ⊕ si | Stromchiffreigenschaften; kein Padding. | Rückkopplung über Chiffrat; IV-/Schlüssel-Wiederverwendung kritisch. |
| CTR | si = ek(IV || CTRi) yi = xi ⊕ si | Parallelisierbar, kein Padding. | IV || CTR darf unter demselben Schlüssel nie doppelt auftreten. |
| GCM | CTR-Verschlüsselung plus Authentifizierung. | Vertraulichkeit und Integrität. | Nonce-Wiederverwendung ist fatal. |
7.5 Deterministisch, probabilistisch und authentifiziert
| Eigenschaft | Bedeutung | Warum klausurrelevant? |
|---|---|---|
| Deterministisch | Gleicher Klartext und gleicher Schlüssel ergeben immer dasselbe Chiffrat. | ECB ist dadurch musterverratend. |
| Probabilistisch / randomisiert | Zusätzliche Werte wie IV oder Nonce sorgen dafür, dass gleiche Klartexte unterschiedlich aussehen. | CBC braucht dafür pro Nachricht einen neuen zufälligen IV. |
| Authentifiziert | Neben Vertraulichkeit wird auch Manipulation erkannt. | GCM oder Encrypt-then-MAC verhindern, dass Angreifer Chiffrate unbemerkt verändern. |
8. DHKE, RSA und Hashing
8.1 Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch
DHKE löst das Problem, dass ein gemeinsamer symmetrischer Schlüssel auf beiden Seiten vorhanden sein muss, ohne ihn direkt zu übertragen.
K = Ba mod p = Ab mod p = gab mod p
- p
- Öffentlicher Primmodul.
- g
- Öffentlicher Generator.
- a, b
- Private Zufallswerte.
- K
- Gemeinsames Geheimnis.
8.2 RSA
RSA ist ein asymmetrisches Verfahren. Es nutzt ein Schlüsselpaar aus öffentlichem und privatem Schlüssel; die Sicherheit hängt praktisch an der Schwierigkeit, große Zahlen zu faktorisieren.
Wähle e mit ggT(e, φ(n)) = 1; berechne d ≡ e-1 mod φ(n)
y = xe mod n, x = yd mod n
- p, q
- Große Primzahlen.
- n
- Modul.
- e
- Öffentlicher Exponent.
- d
- Privater Exponent.
8.3 Hash-Funktionen
Hash-Funktionen ver- und entschlüsseln nicht. Sie bilden Eingaben beliebiger Länge auf einen festen Hashwert ab.
| Eigenschaft | Bedeutung | Angreifer darf |
|---|---|---|
| Urbildresistenz | Zu gegebenem Hashwert z soll kein x mit h(x) = z gefunden werden. | Nur z kennen. |
| Schwache Kollisionsresistenz | Zu gegebenem x1 soll kein anderes x2 mit gleichem Hash gefunden werden. | x1 ist vorgegeben. |
| Starke Kollisionsresistenz | Es sollen keine zwei unterschiedlichen Eingaben x1 ≠ x2 mit gleichem Hash gefunden werden. | Beide Eingaben frei wählen. |
9. TOR und Onion Routing
TOR ist ein dezentrales Relay-Netzwerk. Der TOR-Browser nutzt es, um Verbindungen zu anonymisieren, Tracking zu erschweren und .onion-Seiten erreichbar zu machen.
| Relay | Kennt | Kennt nicht |
|---|---|---|
| Entry/Guard Node | IP-Adresse des Nutzers und nächsten Knoten. | Endziel und Inhalt. |
| Middle Node | Vorherigen und nächsten Knoten. | Nutzer-IP, Ziel und Inhalt. |
| Exit Node | Zieladresse und ausgehenden Verkehr zum Ziel. | Ursprüngliche Nutzer-IP. |
TOR verwendet asymmetrische Kryptografie für den sicheren Austausch von Sitzungsschlüsseln und symmetrische Kryptografie für die eigentliche Datenverschlüsselung. In den Folien wird RSA für den Schlüsselaustausch und AES für die Datenverschlüsselung genannt.
C2 = EK2(C3)
C1 = EK1(C2) = EK1(EK2(EK3(M))) R1 entfernt die äußere Schicht, R2 die mittlere, R3 die innere. Der Exit Node sendet die Nachricht an das Ziel.
Der Guard Node ist der erste Knoten und kennt die echte IP-Adresse. Er wird länger beibehalten, um das Risiko ständig wechselnder bösartiger Einstiegsknoten zu reduzieren und Traffic-Correlation-/Sybil-Angriffe zu erschweren.
| Grenze/Risiko | Warum relevant? | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Exit Node | Sieht Verkehr zum Ziel, wenn keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung genutzt wird. | HTTPS/TLS; keine sensiblen Klartextprotokolle. |
| Traffic Correlation | Wer Eingang und Ausgang beobachtet, kann Zeit- und Volumenmuster korrelieren. | Guard Nodes und Pfadwahl erschweren, garantieren aber keine Perfektion. |
| Nutzerfehler | Logins, Downloads oder Plugins können Anonymität aufheben. | TOR-Browser-Defaults beibehalten, Identitäten nicht vermischen. |
10. Aufgaben, Checkliste und Fragen
10.1 Musteraufgaben
10.2 Lerncheckliste
| Kann ich ...? | Prüfpunkt |
|---|---|
| Schutzziele unterscheiden | Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit, Authentizität, Autorisation und Nichtabstreitbarkeit mit Beispielen erklären. |
| Angriffsbegriffe trennen | Schwachstelle, Angriffsfläche und Angriffsvektor definieren und mit Beispielen belegen. |
| GRC erklären | Governance, Risk, Compliance abgrenzen und Compliance-Fallen nennen. |
| Risikomanagement anwenden | Risiko identifizieren, bewerten, behandeln, überwachen, berichten; ALARP/PDCA/SDCA unterscheiden. |
| Incident Response strukturieren | Preparation, Identification, Containment, Eradication, Recovery, Lessons Learned beschreiben. |
| Klassische Chiffren rechnen | Modulo 26, Inverse, ggT-Bedingung, Schlüsselräume und Vigenère-Prinzip. |
| DES/AES vergleichen | Feistel vs. byteorientierte Struktur, S-Boxen, Diffusion und Schlüsselfahrplan. |
| Betriebsmodi vergleichen | ECB, CBC, OFB, CFB, CTR, GCM mit IV/Nonce-, Padding- und Integritätsfallen. |
| DHKE/RSA/Hashing formulieren | DLP, Faktorisierung, RSA-Setup, Hash-Resistenzen und Geburtstagsgrenze. |
| TOR erklären | Relay-Wissen, Sitzungsschlüssel, Onion-Verschlüsselung, Guard Node und Grenzen. |
10.3 Mögliche Klausurfragen
- Grenzen Sie Informationssicherheit, IT-Sicherheit und Cyber-Sicherheit voneinander ab.
- Erklären Sie Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit jeweils mit Maßnahme und Angriff.
- Warum genügt Compliance allein nicht für wirksame IT-Sicherheit?
- Beschreiben Sie den Risikomanagementprozess und ordnen Sie PDCA/SDCA ein.
- Erklären Sie den Incident-Response-Zyklus und nennen Sie pro Phase ein Beispiel.
- Warum ist bei einer multiplikativen Chiffre modulo 26 ggT(k, 26) = 1 notwendig?
- Warum sind Ver- und Entschlüsselung bei Stromchiffren dieselbe Operation?
- Vergleichen Sie DES und AES hinsichtlich Struktur, S-Boxen und Diffusion.
- Warum ist ECB unsicher und welche Rolle spielt der IV bei CBC?
- Warum ist Nonce-/Counter-Wiederverwendung bei CTR gefährlich?
- Erklären Sie DHKE und die Rolle des diskreten Logarithmusproblems.
- Beschreiben Sie RSA-Schlüsselerzeugung und die Sicherheitsannahme.
- Unterscheiden Sie Urbildresistenz, schwache und starke Kollisionsresistenz.
- Erklären Sie den Aufbau eines TOR-Circuits und welche Informationen Entry, Middle und Exit Node kennen.
11. Abdeckung der Quellen
Ausgewertet wurden alle 13 PDFs im Ordner temp_it-security mit insgesamt 587 Seiten. Die Tabelle ordnet die Inhalte der finalen Zusammenfassung zu.
| Folie/Kapitel | Inhalt | In Zusammenfassung enthalten? | Wo behandelt? |
|---|---|---|---|
| Kapitel_02_1_Einfuhrung_Exam.pdf, 95 Seiten | Digitalisierung, Cyber-Raum, IT-/Cyber-/Informationssicherheit, Schutzziele, Safety/Security, Schwachstellen, Malware, Angriffstypen, Tätertypen. | Ja | Abschnitte 2 und 3. |
| Kapitel_02_3_GRC_Exam.pdf, 99 Seiten | GRC, Compliance, IT-Compliance, Governance, Risikomanagement, SWOT, ALARP, FTA, PDCA, SDCA. | Ja | Abschnitt 4. |
| Kapitel_02_4_Incidence_Response_Exam.pdf, 54 Seiten | Incident Response, Managementrolle, Forensik, ISO/NIST-Zyklus, Playbooks, Pyramid of Pain, MITRE ATT&CK. | Ja | Abschnitt 5. |
| Kapitel_03_Grundlagen_Krypto_Exam.pdf, 11 Seiten | Kryptologie, Kryptographie, Kryptoanalyse. | Ja | Abschnitt 6. |
| Kapitel_04_Klassische_Chiffren_Exam.pdf, 41 Seiten | Gruppen, Ringe, Körper, endliche Körper, Verschiebechiffren, multiplikative und affine Chiffren, Vigenère. | Ja | Abschnitt 6. |
| Kapitel_05_Stromchiffren_Exam.pdf, 39 Seiten | Bitweise Ver-/Entschlüsselung, XOR, Schlüsselstrom, Zufallszahlen, Trivium-Hinweis. | Ja | Abschnitt 7.1. |
| Kapitel_06_DES_Exam.pdf, 50 Seiten | DES, Konfusion, Diffusion, Feistel-Netzwerk, f-Funktion, E-/S-/P-Boxen, Schlüsselfahrplan. | Ja | Abschnitt 7.2. |
| Kapitel_07_AES_Exam.pdf, 27 Seiten | AES-Anforderungen, byteorientierter Aufbau, Key Addition, S-Box, endliche Körper, ShiftRows, MixColumns, Schlüsselfahrplan. | Ja | Abschnitt 7.3. |
| Kapitel_08_Betriebsmodis_Exam.pdf, 45 Seiten | ECB, CBC, OFB, CFB, CTR, GCM, IV/Nonce, Padding, deterministische/probabilistische Verschlüsselung. | Ja | Abschnitt 7.4. |
| Kapitel_10_DHKE_Exam.pdf, 11 Seiten | Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch, endliche Gruppen, diskretes Logarithmusproblem. | Ja | Abschnitt 8.1. |
| Kapitel_11_RSA_Exam.pdf, 15 Seiten | RSA-Ver-/Entschlüsselung, Setup, Schlüsselerzeugung, Beispiel und Sicherheitsgrundlage. | Ja | Abschnitt 8.2. |
| Kapitel_13_Hashing_Exam.pdf, 29 Seiten | Hash-Funktionen, Einwegeigenschaft, schwache/starke Kollisionsresistenz, Geburtstagsparadoxon. | Ja | Abschnitt 8.3. |
| TOR_Exam.pdf, 71 Seiten | TOR-Netzwerk und Browser, Entry/Middle/Exit Node, RSA/AES-Schlüssel, Onion-Verschlüsselung, Rückweg, Circuit-ID, Guard Node, Grenzen. | Ja | Abschnitt 9. |